FPÖ als neoliberale Traumbraut: Eine Kritik am Wirtschaftsprogramm der „Blauen“

Schon seit Jahren wundere ich mich, wie ins blaue Lager gewechselte ehemalige SP-WählerInnen den neoliberalen Unsinn übersehen können, den ihre neuen HoffnungsträgerInnen propagieren. Darum freut es mich jedes Mal, wenn zur Aufklärung beigetragen wird – hier von Christian Donninger.

Dr. Donninger hat sich dem neuen FPÖ-Wirtschaftsprogramm gewidmet, eine Kritik unter dem Titel „Die Strache-FPÖ als neoliberale Traumbraut der Industriellenvereinigung“ verfasst und auf seiner Website publiziert. Hier der Link (pdf): IV_Traumbraut.pdf.

Eine Zusammenfassung gibt’s auch (Text eingerückt):

Das am 23. August 2017 veröffentlichte Wirtschaftsprogramm der FPÖ enthält eine klare Botschaft: Man positioniert sich als die ideale, neoliberale Traumbraut für eine Koalition unter dem voraussichtlichen Wahlsieger Sebastian Kurz.

Das Programm sieht massive Kürzungen im Gesundheits- und Sozialbereich und bei den Pensionen vor. Diese werden unter dem euphemistischen Titel „Optimierungen“ verkauft.

Die angestrebte Aufkündigung der Sozialpartnerschaft würde das gesellschaftliche Kräfteverhältnis zwischen Arbeitnehmern und Unternehmern gravierend zugunsten der Unternehmer verändern und zu sozialen Konflikten führen.

Kernstück des Programms ist die Senkung des Steueraufkommens um 12 Milliarden Euro, bei gleichzeitiger strikter Einhaltung eines Null-Defizits. Die im Programm zur Gegenfinanzierung berechneten Einsparungen sind entweder stark übertrieben oder überhaupt unrealistisch.

Während auf „Zuckerl für Unternehmen“ detailliert eingegangen wird, fallen Themen wie Armutsbekämpfung, Mindestlohn und Mindestpensionen unter den Tisch.

Mit dem aktuellen Wirtschaftsprogramm hat die FPÖ ihren Anspruch als „Soziale Heimatpartei“ zur Gänze aufgegeben.

Durchaus lesenswert, finde ich.

„Jobwunder“ in Deutschland, entzaubert

Weit mehr Erwersbtätige, viel weniger Arbeitslose: Diese Entwicklung in Deutschland wird oft als „Jobwunder“ bezeichnet. Was sich dahinter verbirgt, hat Markus Krüsemann auf www.miese-jobs.de analysiert.

Ein wichtiger Ausgangspunkt der Analyse sind die Daten zum Arbeitsvolumen, die auch hierzulande großteils ignoriert werden – siehe meinen letzten Beitrag Österreich: Negative Wirtschaftsdaten weitgehend ignoriert.

Wie in Österreich ist das Jahresarbeitsvolumen pro erwerbstätiger Person in Deutschland mittelfristig stark gesunken und stagniert seit 2013, trotz des gefeierten Aufschwungs.

Auch insgesamt gibt es nicht mehr Arbeit, sie wird bloß anders verteilt – und auf dem Arbeitsmarkt herrscht weiterhin eine ausgeprägte Machtassymetrie zugunsten der Arbeitgeber.

Auszüge:

Den großen Treiber für das Jobwachstum jenseits der Normalarbeit stellt mit Abstand allerdings die sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung dar.

Wohin sind die Arbeitslosen verschwunden?
Nicht einmal neun Prozent der Arbeitslosen wechselten auf eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung und nur weitere 18 Prozent fanden Arbeit in einem Teilzeitjob oder einer geringfügigen Beschäftigung. Insgesamt wechselten mehr als 37 Prozent der Arbeitslosen in atypische Beschäftigungsverhältnisse, während weitere 28 Prozent sich in den Ruhestand. verabschiedeten.

Fazit: (…) So entpuppt sich das Arbeitsmarktmirakel der vergangenen Jahre größtenteils als gigantische Umverteilungsmaschinerie. Wenn auf immer mehr Erwerbstätige pro Kopf immer weniger Arbeitsstunden entfallen, dann ist Arbeit nicht neu geschaffen, sondern nur umverteilt worden. Das bedeutet, auch weiterhin ist nicht genug Arbeit für alle Erwerbswilligen vorhanden.

Link zur Analyse: Das Jobwunder – ein entzauberter Popanz

Eine gekürzte Version erschien auf dem Blog von Norbert Häring:
Kein Jobwunder.

Österreich: Negative Wirtschaftsdaten weitgehend ignoriert

Schwach steigende Arbeitsproduktivität, Rückgang der Wirtschaftsleistung pro Kopf, Nachfrage nach Arbeit geringer als 2006 bei stark zunehmender Erwerbsbevölkerung: Ergebnisse einer Recherche zum Arbeitsvolumen.

Zu den weitgehend igorierten Parametern, die von Statistik Austria (statistik.at) erhoben bzw. geschätzt werden, gehört das jährliche Arbeitsvolumen in Österreich. Das Arbeitsvolumen ist die Summe der von allen Erwerbstätigen tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden innerhalb eines Jahres – von allen Erwerbstätigen, unselbständig wie selbständig.

Das Arbeitsvolumen ist ein zentraler Parameter. In Verbindung mit den Daten zum Bruttoinlandsprodukt (real, d.h. inflationsbereinigt) lässt sich damit die Arbeitsproduktivität berechnen. Und die Entwicklung der Arbeitsproduktivität ist nicht nur ein Maßstab für den aktuellen Lebensstandard, sondern auch wesentlich für die Abschätzung der zukünftigen Finanzierbarkeit von Einkommenstransfers von der erwerbstätigen zur nicht erwerbstätigen Bevölkerung, insbesondere der Pensionen.

Dies gilt bei den Pensionen unabhängig vom System, ob Umlage- oder Kapitaldeckungsverfahren, wobei es sich bei Letzterem ohnehin um einen Etikettenschwindel handelt und nicht um eine Lösung für die erwarteten demographischen Probleme, wie von mir anderswo erläutert – lang ist’s her (siehe pensionsreformdebatte).

Wenn die Erwerbsbevölkerung in Zukunft tatsächlich wesentlich schrumpft und die nicht erwerbstätige Bevölkerung gleichzeitig zunimmt (Alterung der Gesellschaft), dann können die Transfers auf dem bisherigen Niveau nur beibehalten werden, wenn die Wertschöpfung pro Arbeitseinheit, also die Arbeitsproduktivität, entsprechend steigt.

Statistik Austria als Datenquelle

Sich Daten zum Arbeitsvolumen in der Gesamtwirtschaft zu beschaffen, scheint auf den ersten Blick kein Problem: Auf Statistik Austria gibt es eine eigene Seite dazu – Arbeitsvolumen. Klickt man auf den Link zu den Daten z.B. im Html-Format, erscheint eine detaillierte Tabelle mit Aufteilung auf Vollzeit- und Teilzeiterwerbstätigkeit, auf Frauen und Männer sowie auf unselbständig Beschäftigte und Selbständige.

Dem „Kleingedruckten“ unter der Tabelle ist u.a. zu entnehmen, dass die Daten auf einer regelmäßigen Mikrozensus-Befragung basieren. Mangels anderer Links auf der Site und ohne diesbezügliche Hinweise liegt die Annahme nahe, dass es keine anderen Daten zum Arbeitsvolumen gibt. Ein Irrtum, was mir allerdings erst bei weiteren Nachforschungen klar wurde.

Mikrozensus-Daten, 2016: Arbeitsproduktivität sinkt um 0,9%!

Vorerst nahm ich jedenfalls die Mikrozensus-Daten zur Hand und errechnete in Kombination mit den Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) die Entwicklung der Arbeitsproduktivität. Ich war einigermaßen betroffen. Das BIP hat sich in Österreich 2016 zwar inflationsbereinigt um 1,5% erhöht, doch bei einem gleichzeitig weit stärkeren Anstieg des Arbeitsvolumens um 2,4%. Demnach wäre die Wertschöpfung pro Arbeitsstunde gegenüber 2015 um 0,9% gesunken. Das wäre nicht nur ein Bruch mit dem längerfristigen Trend (hier seit 2004), sondern eine doch bedenkliche Entwicklung, siehe meine obigen Anmerkungen.

Arbeitsproduktivität 2004-2016

Eine Erklärung dafür wäre, dass das zusätzliche Arbeitsvolumen in 2016 nicht in zukünftsträchtigen, hochproduktiven Wirtschaftsbereichen anfiel, sondern ganz im Gegenteil in Branchen mit weit unterdurchschnittlicher Wertschöpfung. Damit hätte sich die Struktur der österreichischen Wirtschaft verschlechtert, trotz des gefeierten „Aufschwungs“ von 2016.

„Versteckte“ Daten: Arbeitsproduktivität steigt um 0,6%

Eher zufällig klickte ich dann auf der Seite mit dem Titel Österreichs Wirtschaft wuchs 2016 um 1,5% auf den Link „+ mehr“. Dort las ich zu meiner Überraschung, dass das Arbeitsvolumen 2016 nicht um 2,4%, sondern nur um 0,9% zugenommen hat und die Arbeitsproduktivität daher nicht um 0,9% gesunken, sondern um 0,6% gestiegen ist.

Das ist zwar auch ziemlich dürftig, aber wenigstens nicht so erschreckend wie auf Basis der Mikrozensus-Daten (zum Trendbruch seit der Finanzkrise siehe weiter unten). Aber woher stammen diese vom Mikrozensus abweichenden Daten zum Arbeitsvolumen überhaupt? Auf eine Mail-Anfrage erhalte ich folgende Auskunft:

In die Berechnung des Arbeitsvolumens gemäß den Konzepten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) fließen neben dem Mikrozensus noch andere Quellen ein. Auch die Methodik ist eine andere. Dementsprechend sind die Ergebnisse nicht dieselben (6.898,9 in 2015; 6.959,8 in 2016). Zur Messung der Arbeitsproduktivität werden sowohl BIP als auch Arbeitsvolumen aus dem VGR-Datenkörper verwendet.

Nach dem „Fundort“ dieser anderen Daten hatte ich leider nicht ausdrücklich gefragt. Da ich eine Zeitreihe brauchte, stöberte ich also herum und wurde unter Regionales BIP und Hauptaggregate nach Wirtschaftsbereichen und Bundesländern (NUTS 2) fündig. Dort gibt es eine Excel-Tabelle namens Arbeitsvolumen der Erwerbstätigen 2000-2015: nach Bundesländern und Wirtschaftsbereichen. Leider handelt es sich nur um Jahresdaten bis 2015, ohne weitere Aufschlüsselung nach Vollzeit, Teilzeit, Männer und Frauen etc.; die Gesamtzahl für 2016 hatte ich ja schon.

Tatsächlich war ich inzwischen bereits etwas verärgert: Warum sind die „schlechten“ Daten (Mikrozensus) detailliert aufgeschlüsselt, und die „besseren“ (für die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, VGR) nicht? Und warum werden die schlechteren prominent auf einer eigenen Seite publiziert, während die „besseren“ in den regionalen Gesamtrechnungen „versteckt“ werden?

Das wird für mich vorläufig ein Rätsel bleiben, denn meine diesbezügliche Anfrage wurde von Statistik Austria nicht beantwortet.

Die beiden Zeitreihen zum Arbeitsvolumen lt. Mikrozensus und lt. VGR zeigen übrigens dieselben Trends, nur in den Jahren 2012 bis 2015 gibt es stärkere Abweichungen:

Aus beiden Reihen wird ersichtlich, dass das Arbeitsvolumen (und damit die Nachfrage nach Arbeit) seinen bisherigen Höchststand im Jahr 2008 erreicht hat, im Gefolge der durch die Finanzkrise ausgelösten Rezession einknickte, 2011 stärker zunahm und seither eher rückläufig war. Nach den VGR-Daten lag das Arbeitsvolumen 2016 weiter unter dem Niveau von 2006 und auch unter dem Niveau von 2011.

Jedenfalls ist daraus ersichtlich, dass sämtliche ständig verlautbarten Daten über die steigende Zahl der Beschäftigungsverhältnisse zumindest bis 2016 die zugrundeliegende Realität verschleiert haben, nämlich den Rückgang der Nachfrage nach Arbeit. Im gleichen Zeitraum hat sich zudem die Zahl der Erwerbstätigen massiv erhöht. Die Konsequenz war ein erheblicher Rückgang der Zahl der jährlichen Arbeitsstunden pro erwerbstätige Person, wie der zweiten Grafik zu entnehmen ist: Sie sank von 2004 bis 2016 um mehr als 200 Stunden oder um mehr als 11%!

Jährliche Arbeitsstunden je erwerbstätige Person, 2004-2016

Trendbruch seit der Finanzkrise

Nun zur Arbeitsproduktivität anhand der „besseren“ VGR-Daten. Die nachstehende Grafik zeigt die Entwicklung der Arbeitsproduktivität und die jährlichen Änderungen auf Basis des Arbeitsvolumens laut VGR. Das Ergebnis ist durchaus interessant, wenn auch nicht beruhigend: Die Arbeitsproduktivität zeigt seit der Finanzkrise eher schwache Zuwächse, mit einem negativen Trend. Im Schnitt stieg die Arbeitsproduktivität von 2000 bis 2007 um 1,95% pro Jahr, von 2010 bis 2016 jedoch nur mehr um 0,86% pro Jahr. Daher belegen auch die VGR-Daten für 2016 eine nicht gerade optimistisch stimmende Entwicklung.

Arbeitsproduktivität 2000-2016

Dieser Bruch im Trend der Arbeitsproduktivität ist Statistik Austria bisher entweder nicht aufgefallen oder nicht der Rede wert.

Abgesehen von verstreuten beiläufigen Wortspenden ist der Arbeitsproduktivität unter Wie geht’s Österreich? eine Grafik gewidmet. Diese leidet jedoch, wie im Fall fast aller dort gezeigten Zahlenreihen, unter dem hohen Maximalwert der y-Achse (220, siehe Screenshot): Aus derart verflachten Kurven lassen sich jährliche Änderungen kaum mehr entnehmen. Offensichtlich verdankt sich dieser hohe Maximalwert einzig und allein der Zahlenreihe zum nominellen Bruttoinlandsprodukt, die einen Indexwert von an die 200 erreicht. Bei allen anderen Parametern ist diese y-Achse völlig unzweckmäßig, außer man beabsichtigt, eine ungebrochene Aufwärtsentwicklung zu suggerieren.

Arbeitsproduktivität Statistik Austria, Screenshot

Zahlen fehlen hier ohnehin, und damit auch Zahlen zu den jährlichen Änderungen. Der Bruch in der Entwicklung der Arbeitsproduktivität seit der Finanzkrise, zu entnehmen der von mir erstellen Grafik (siehe oben), wäre hier selbst dann nicht zu erkennen, wenn der Wert von 2016 (+0,6%) bereits in die Grafik von Statistik Austria einbezogen wäre.

Internationale Diskussion über rückläufige Produktivität ignoriert?

Das Schweigen zur schwachen Entwicklung der Arbeitsproduktivität ist jedenfalls erstaunlich, denn der Rückgang des Wachstums von Arbeitsproduktivität und Total Factor Productivity (TFP, Gesamtfaktorproduktivität) in den reichen Ländern, verschärft seit der Finanzkrise, bereitet der ökonomischen Zunft weltweit seit geraumer Zeit einiges Kopfzerbrechen.

Ein Beispiel ist die jüngste „Staff Discussion Note“ des Internationalen Währungsfonds (IWF) von Anfang April, zu finden hier:
Gone with the Headwinds: Global Productivity (pdf). Daraus stammt die folgende Grafik:

Die Rezeption dieser „Staff Discussion Note“ des IWF in Österreich hält sich bisher in engen Grenzen, wie eine Google-Suche nach „Gone with the Headwinds“ + site:at (am 9. Mai 2017) zeigt: Es gibt nur einen einzigen Treffer, einen Artikel des Wirtschaftsredakteurs des Standard, András Szigetvari, von Anfang April mit dem Titel Produktivität: Innovative Ideen ohne Wirkung.

BIP pro Kopf stetig rückläufig

Als Draufgabe noch eine letzte Grafik: Hier habe ich die Entwicklung der österreichischen Wirtschaft seit 2004 (real, d.h. inflationsbereinigt mit dem BIP-Deflator von Statistik Austria) mit der gleichzeitigen Bevölkerungsentwicklung in Zusammenhang gebracht, die hier aus Gründen der Klarheit nicht gezeigt wird. Als Bevölkerungszahl für 2016 wurde der Stand Ende des 4. Quartals 2016 verwendet – mangels anderer Daten.

Hier kommt sehr deutlich zum Ausdruck, dass Österreich von einem „Aufschwung“ und „Wohlstandsgewinnen“, verstanden als zunehmende Wirtschaftsleistung pro Kopf, sehr weit entfernt ist. So etwas gab es noch bis zur Finanzkrise – das BIP pro Kopf nahm jedes Jahr deutlich zu. Dann kam die Rezession und ein Aufholprozess, der 2012 abebbte. Seither geht es konstant abwärts – das BIP pro Kopf ist stetig rückläufig und dürfte es auch im „Aufschwungjahr“ 2016 gewesen sein, selbst wenn die durchschnittliche Bevölkerungszahl von 2016 wie zu erwarten unter dem Wert vom Jahresende liegt.

Eine sinkende Wirtschaftsleistung pro Kopf ist wahrlich kein Grund zu Jubelgeschrei. Ganz besonders schlimm sieht es diesbezüglich übrigens in Wien aus – bis einschließlich 2015 jedenfalls.

Am schlimmsten in Wien

Wie auf meinem anderen Blog (goingbobo.rpoth.at) unter Wiener Wirtschaft auf Talfahrt nachzulesen, dürfte das Bruttoregionalprodukt pro Kopf in Wien seit 2007 bis Ende 2015 um ca. 5,7% gesunken sein, und das trotz eines etwas stärkeren Wachstums in 2015. Wird zur Inflationsbereinigung der nominellen Zahlen nicht der offizielle BIP-Deflator von Statistik Austria herangezogen, sondern der Verbraucherpreisindex (VPI), könnte der Rückgang sogar ein Ausmaß von 7,7% erreicht haben.

Nur eine Minderheit weiß, dass private Banken Geld schöpfen

Die Bevölkerung weltweit ist kaum über das Thema der Geldschöpfung informiert, wie eine internationale Studie zeigt: Nur 20% wissen, dass der Großteil des Geldes von Privatbanken in die Welt gesetzt wird.

Zum Thema siehe auch:

Geld/Geldreform: Übersicht

Ungeachtet dessen sind aber 59% der Ansicht, dass Regierungen und Zentralbanken die Geldschöpfung kontrollieren sollten; nur 13% befürworten den Stand der Dinge – nämlich dass Privatbanken das Geld in die Welt setzen („Giralgeld“ im Unterschied zu Bargeld, das von den Zentralbanken herausgegeben wird).

Befragt wurden 2013/2014 rund 23.600 Personen in 20 Ländern, die 75% des Weltwirtschaftsprodukts repräsentieren.

Durchgeführt wurde die Studie von den Organisationen Sustainable Finance Lab (Utrecht/Niederlande) und Glocalities (Amsterdam).

Die Presseinformation zur Studie: Global population does not want commercial banks to stay responsible for creating most of the money

Eine Zusammenfassung (englisch, pdf) kann hier heruntergeladen werden:
Fact sheet – Knowledge about who creates money low amongst international population

EU-Parlament kritisiert Geldpolitik der EZB

Ende November hat das EU-Parlament in seiner Stellungnahme zum Jahresbericht der Europäischen Zentralbank 2015 insbesondere das Anleihenkaufprogramm der EZB kritisiert.

Die Hauptkritikpunkte:

  • Verstärkung der Ungleichheit
  • Mögliche Wettbewerbsverzerrung
  • Ineffektivität (kaum Stimulierung der Realwirtschaft) bei gleichzeitiger Bankenförderung

    Hier die (englische) Information auf qe4people.eu: EU Parliament report shows unprecedented level of concern on ECB.

  • Weltweite Überschuldung / Geldpolitik kontraproduktiv?

    Hier vorläufig kommentarlos Links zu zwei Artikeln, die auf zerohedge.com veröffentlicht wurden. Es handelt sich um Einschätzungen von Jim Reid, Global Head Fundamental Credit Strategy Group, Deutsche Bank.

    Hauptaussage des ersten Artikels:

    „…the global financial system remains broken and extremely fragile. Secular stagnation trends are everywhere. The world has too big a debt burden for the current growth environment.

    (…)

    The debt is too systemic for policymakers to be able to let it default without a big negative feedback loop on growth that could easily lead to a depression. The problem with current policy – which at a global level has become more and more extreme on the monetary side – is that it simply props up the failed system without offering much in terms of nominal growth stimulus.“

    Diese Einschätzung entspricht dem, was ich bereits des Öfteren zur Geldpolitik zumal der EZB kritisch angemerkt habe, u.a. auf meinem anderen Blog (goingbobo.rpoth.at): Warum die Gentrifizierung voranschreiten wird.

    Hier die beiden Links:

    Deutsche Bank Warns „The Plate-Spinning Era“ Is Over (Zerohedge.com, 22. 11. 2016).

    Helicopter Money Has Arrived… And Nobody Noticed: Here’s Why (Zerohedge.com, 23. 11. 2016).

    Fleischkonsum, Grenzen des Konsumverzichts und weltweite Überschuldung

    Meine langjährige, regelmäßige journalistische Arbeit für das Südwind Magazin ging zwar mit Februar 2011 zu Ende, doch dann und wann schreibe ich doch noch etwas für das Magazin, wenn mir das Thema ein Anliegen ist. Die letzten Beiträge habe ich mittlerweile auch auf dieser Website veröffentlicht (siehe Kasten links).

    Der Beitrag zum zunehmenden Fleischkonsum im so genannten „Süden“ befasst sich vor allem mit feststellbaren Trends und Rahmenbedingungen (Welthandelsregeln); das Gefährliche an dieser „Aufholjagd“ ist der hohe Ressourcenverbrauch der Fleischproduktion.

    Damit in Zusammenhang steht auch der Kommentar „Grenzen des Verzichts“. Darin wende ich mich gegen eine leider weit verbreitete Fehlinterpretation des „Ökologischen Fußabdrucks“ (siehe Global Footprint Network).

    Diese Kenngröße rechnet den Ressourcenverbrauch in ein Flächenmaß um („globale Hektar“). Daraus ergibt sich, dass der Ressourcenverbrauch der Bevölkerung in den reichen Ländern, hochgerechnet auf die Weltbevölkerung, zwischen zwei bis vier „Erden“ benötigt. Daraus wird wiederum geschlossen, dass in den reichen Ländern ein radikaler Konsumverzicht erforderlich wäre, um die ökologischen Grenzen unseres Planeten nicht zu sprengen.

    Völlig übersehen wird dabei, dass der (so gemessene) übermäßige Ressourcenverbrauch in den reichen Ländern im Wesentlichen auf bloß zwei Faktoren zurückzuführen ist, nämlich die energetische Nutzung fossiler Rohstoffe (Erdgas, Öl, Kohle) und den Fleischkonsum. Beides bedeutet einen enormen Flächenverbrauch, insbesondere wegen der nötigen Kompensation der Treibhausgasemissionen durch Kohlenstoffsenken (Wälder). Dabei wird zudem unterstellt, dass alle Emissionen unmittelbar zu neutralisieren sind, d.h. die Treibhausgas-Konzentration dürfte auf keinen Fall mehr zunehmen.

    Daraus lässt sich allerdings nur ein selektiver Konsumverzicht ableiten, sprich: Energiewende und starke Senkung des Fleischkonsums. Das ist die Hauptsache und allerdings schon schwierig genug. Was darüber hinaus durch Selbstbeschränkung machbar ist, fällt nicht ins Gewicht. Sich generell zu kasteien, beruhigt vielleicht das Gewissen, die Welt retten (für die menschliche Zivilisation) wird man damit aber nicht.

    Im Artikel Weltwirtschaft/Rezessionängste verweise ich darauf, dass selbst das geringere Wachstum der Weltwirtschaft seit der Finanzkrise 2007/2008 sich einer historisch einmaligen Aufblähung der weltweiten Verschuldung verdankt. Insbesondere gefährlich ist, dass, exakt wie in den Jahren vor der Finanzkrise, die Neuaufnahme von Schulden nur zu einem geringen Teil produktiven Investitionen dient und reales Wachstum erzeugt; der Großteil fließt in die weltweiten Finanz- und Immobilienmärkte und treibt bloß die Preise von Vermögenswerten in die Höhe („asset price inflation“).

    Je länger das so weitergeht, desto schwerwiegender die Folgen, wenn es zu einer Korrektur kommt. Der Zeitpunkt einer solchen Korrektur lässt sich kaum vorhersagen, wie auch der Zeitpunkt des Platzens der Immobilienblase in den USA nicht vorhersagbar war.

    Dass diese Blase platzen musste, war aber schon lange davor offensichtlich. Siehe etwa den Eintrag auf diesem Blog: US-Immobilienblase wird wahrscheinlich platzen vom 11. Jänner 2006.