Biokraftstoffe und Klima

Biokraftstoffe (Ethanol, Biodiesel) werden im jüngsten IPCC-Bericht zur Milderung des Klimawandels als eine der Optionen zur Senkung der weltweiten Treibhausgas-Emissionen bezeichnet. Die Risiken sind jedoch hoch.

Update Mai 2008

Mittlerweile habe ich meine Beiträge zum Südwind-Thema Biokraftstoffe auf dieser Website veröffentlicht: Thema Biokraftstoffe – Übersicht

links zum südwind magazin

Das von mir gestaltete Thema Biokraftstoffe im Südwind Magazin vom Mai 2007 ist bereits frei zugänglich. Nachfolgend die gesammelten Links:
Die Geister sind gerufen (Editorial)
Alter Wein in grünen Schläuchen (Einleitungsartikel)
Potenzial mit Fragezeichen
Fakten
Tank oder Magen
Zukunftsvisionen (Kraftstoffe aus Ligno-Zellulose)
Katastrophaler Fehlschlag (Palmölproduktion in Südostasien; von Hermann Klosius)

Dass es sich um keine Patentlösung handelt, hält auch das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) selbst in seiner am 4. Mai 2007 veröffentlichten Zusammenfassung des Berichts „Mitigation of Climate Change“ fest (Download auf der Website des IPCC): „Biofuels might play an important role in addressing GHG emissions in the transport sector, depending on their production pathway (…) depending on (…) the success of technologies to utilise cellulose biomass.“ (Hervorhebung R.Poth)

Diese beiden Bedingungen sind entscheidend.

Production pathway: Niemand kann zur Zeit absehen, geschweige denn kontrollieren, welche Flächen im Rahmen des aktuellen, weltweiten Wildwuchses von Biokraftstoff-Projekten in allen Kontinenten konvertiert werden bzw. welche indirekten Landnutzungsänderungen damit verbunden sind. Emissionen aus der Zerstörung tropischer Wälder oder Torfböden haben eine Größenordnung, die den potenziellen Reduktionseffekt durch Biokraftstoffe weit übersteigen können.

Cellulose biomass: Hier geht es um die Konkurrenz zwischen der Nutzung von „Biomasse“ zur Ernährung und zur Energieerzeugung. Bereits jetzt führt die Nutzung von Mais, Raps und Soja zur Erzeugung von Biokraftstoffen direkt und indirekt zur Steigerung von Futtermittel- und Nahrungsmittelpreisen auf dem Weltmarkt. Es ist darüber hinaus nicht einmal klar, ob die Ernährung der Weltbevölkerung unter Rücksicht auf unvorhersehbare Effekte des Klimawandels überhaupt sichergestellt werden kann. Biokraftstoffe aus Zellulose könnte diesen Konflikt verringern, aber niemand weiß, wann und ob diese Technologien überhaupt wirtschaftlich werden – ungeachtet des eventuellen Risikos einer Freisetzung transgener Energiepflanzen.

Vor allem mit diesen Risiken einer Ausweitung der Biokraftstoffproduktion befasst sich das eben erschienene Schwerpunkt-Thema Biokraftstoffe im Südwind-Magazin (Links zu den einzelnen Beiträgen gibt es in der linken Spalte).

Für den Titel des Editorials habe ich mich bei Goethes Zauberlehrling bedient. Dessen Geschichte scheint mir treffend das Missverhältnis zwischen dem aktuellen weltweiten Enthusiasmus in Zusammenhang mit Biokraftstoffen und der fehlenden Wissensbasis und der inexistenten nationalen und internationalen Regulierung zu beschreiben.

Einige Links zum Thema Biokraftstoffe gibt es übrigens unter energie – weblinks unter der entsprechenden Überschrift.

Eine weitere vom IPCC genannte klimapolitische Option, die Abscheidung und Speicherung von CO2-Emissionen (Sequestrierung), ist insbesondere in Zusammenhang mit der energetischen Nutzung von Kohle von Bedeutung. Dazu siehe auch die Beiträge zum Südwind-Thema Kohle vom Mai 2006, die ich eben auf dieser Website neuveröffentlicht habe.

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