China: Kreditexpansion alarmiert Regierung

Entgegen optimistischen Annahmen hat sich das Problem mit den faulen Krediten im Bankensystem Chinas nicht mit dem raschen Wirtschaftswachstum „ausgewachsen“. Ganz im Gegenteil offenbar, wie jüngste Äußerungen und Maßnahmen der Regierung andeuten.

hinweis

Die im nebenstehenen Kommentar verlinkten aktuellen Yahoo-Meldungen sind nach einiger Zeit – wahrscheinlich max. 4 Wochen – leider nicht mehr öffentlich zugänglich.

Dass China an einer potenziell fatalen, unkontrollierten Kreditexpansion leiden könnte, war ein Kernpunkt eines Artikels, den ich im September 2003 für das Südwind-Magazin geschrieben habe (siehe Drachenflug/Kranker Drache).

Nun haben die entsprechenden Alarmzeichen offenbar die Regierung in Beijing gezwungen, drastischere Maßnahmen ins Auge zu fassen. Siehe etwa die beiden folgenden Yahoo-Meldungen:

China’s Prime Minister Calls for Urgent Steps to Curb Economic Growth and Avert Crisis (26.7.2006)

Zitat: „We must take forceful measures to resolve prominent problems to prevent the economy’s rapid growth from turning into overheating,“ Prime minister Wen Jiabao said Wednesday (26.7.06) in a teleconference with officials nationwide, according to news reports.
(…)
Wen, China’s top economic official, told officials to „resolutely control“ a boom in construction and bank lending that drove growth in the second quarter to 11.3 percent, its highest rate in a decade, the Communist Party newspaper People’s Daily and other outlets reported.

China Looks at Ways to Cool Growth (2.8.2006)

Zitat: „The reports Wednesday suggested Beijing believes earlier measures, including an interest rate rise in April, are failing to contain runaway growth in spending on factories and other assets that Chinese leaders worry could ignite a financial crisis.“

Diese Maßnahmen widersprechen m.E. auch der offiziellen Einschätzung, wonach seit der „Sanierung“ der vier großen chinesischen Staatsbanken („Big Four“) durch die Übernahme fauler Kredite durch neu gegründete Asset Management Companies alle neu vergebenen Kredite völlig in Ordnung wären. Denn wenn dem so wäre, warum dann überhaupt eingreifen?

Bereits im Juni hat Stratfor eine Zusammenfassung aktueller Analysen des Problems mit den faulen Krediten in Chinas Bankensystem veröffentlicht (siehe
An Inflection Point In China’s Banking Problem). Es ging um Berichte von Ernst & Young (den die Regierung als „lächerlich“ und „verzerrt“ bezeichnete und der daraufhin zurückgezogen wurde), PricewaterhouseCoopers (PWC), McKinsey Global Institute, und Fitch.

Die Fitch-Analyse fiel am pessimistischsten aus. Inklusive der faulen Kredite, die den Asset Management Companies „umgehängt“ wurden, könnte es sich um zumindest 673 Mrd. US-Dollar handeln.

Neben innerchinesischen Ursachen (Prestigeprojekte regionaler und lokaler Regierungen, politische Manipulation der Kreditvergabe, fehlende Risikoanalyse etc. etc.) sind es die enormen Devisenzuflüsse, die eine übermäßige Kreditexpansion begünstigen. Mittlerweile sind die Währungsreserven Chinas auf einen Rekordwert von an die 1.000 Mrd. US-Dollar angewachsen. Die Versuche der chinesischen Zentralbank, diese Devisenzuflüsse zu „sterilisieren“ (d.h. sie versucht, die ins System gepumpten Yuan durch Verkauf staatlicher Anleihen an das Bankensystem wieder zurückzuholen), waren nur beschränkt effektiv.

Das war schon Ende 2004 mehr als ersichtlich, wie einem Paper der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen von Februar 2005 zu entnehmen ist (Der Festkurs als merkantilistische Handelspolitik – Chinas Währungs- und Geldpolitik im Umfeld globaler Ungleichgewichte; pdf, 275 kB).

Daraus stammt die nachstehend abgebildete Grafik (S. 21):

Die Sterilisierung begrenzte die Expansion nur zum Teil. Die Liquidität der Banken erhöhte sich also trotzdem, was genau jene freigebige, riskante Kreditvergabe begünstigt, welche die politische Führung seit geraumer Zeit relativ erfolglos einzudämmen versucht. Ob sie nun Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten.

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