Fleischkonsum, Grenzen des Konsumverzichts und weltweite Überschuldung

Meine langjährige, regelmäßige journalistische Arbeit für das Südwind Magazin ging zwar mit Februar 2011 zu Ende, doch dann und wann schreibe ich doch noch etwas für das Magazin, wenn mir das Thema ein Anliegen ist. Die letzten Beiträge habe ich mittlerweile auch auf dieser Website veröffentlicht (siehe Kasten links).

Der Beitrag zum zunehmenden Fleischkonsum im so genannten „Süden“ befasst sich vor allem mit feststellbaren Trends und Rahmenbedingungen (Welthandelsregeln); das Gefährliche an dieser „Aufholjagd“ ist der hohe Ressourcenverbrauch der Fleischproduktion.

Damit in Zusammenhang steht auch der Kommentar „Grenzen des Verzichts“. Darin wende ich mich gegen eine leider weit verbreitete Fehlinterpretation des „Ökologischen Fußabdrucks“ (siehe Global Footprint Network).

Diese Kenngröße rechnet den Ressourcenverbrauch in ein Flächenmaß um („globale Hektar“). Daraus ergibt sich, dass der Ressourcenverbrauch der Bevölkerung in den reichen Ländern, hochgerechnet auf die Weltbevölkerung, zwischen zwei bis vier „Erden“ benötigt. Daraus wird wiederum geschlossen, dass in den reichen Ländern ein radikaler Konsumverzicht erforderlich wäre, um die ökologischen Grenzen unseres Planeten nicht zu sprengen.

Völlig übersehen wird dabei, dass der (so gemessene) übermäßige Ressourcenverbrauch in den reichen Ländern im Wesentlichen auf bloß zwei Faktoren zurückzuführen ist, nämlich die energetische Nutzung fossiler Rohstoffe (Erdgas, Öl, Kohle) und den Fleischkonsum. Beides bedeutet einen enormen Flächenverbrauch, insbesondere wegen der nötigen Kompensation der Treibhausgasemissionen durch Kohlenstoffsenken (Wälder). Dabei wird zudem unterstellt, dass alle Emissionen unmittelbar zu neutralisieren sind, d.h. die Treibhausgas-Konzentration dürfte auf keinen Fall mehr zunehmen.

Daraus lässt sich allerdings nur ein selektiver Konsumverzicht ableiten, sprich: Energiewende und starke Senkung des Fleischkonsums. Das ist die Hauptsache und allerdings schon schwierig genug. Was darüber hinaus durch Selbstbeschränkung machbar ist, fällt nicht ins Gewicht. Sich generell zu kasteien, beruhigt vielleicht das Gewissen, die Welt retten (für die menschliche Zivilisation) wird man damit aber nicht.

Im Artikel Weltwirtschaft/Rezessionängste verweise ich darauf, dass selbst das geringere Wachstum der Weltwirtschaft seit der Finanzkrise 2007/2008 sich einer historisch einmaligen Aufblähung der weltweiten Verschuldung verdankt. Insbesondere gefährlich ist, dass, exakt wie in den Jahren vor der Finanzkrise, die Neuaufnahme von Schulden nur zu einem geringen Teil produktiven Investitionen dient und reales Wachstum erzeugt; der Großteil fließt in die weltweiten Finanz- und Immobilienmärkte und treibt bloß die Preise von Vermögenswerten in die Höhe („asset price inflation“).

Je länger das so weitergeht, desto schwerwiegender die Folgen, wenn es zu einer Korrektur kommt. Der Zeitpunkt einer solchen Korrektur lässt sich kaum vorhersagen, wie auch der Zeitpunkt des Platzens der Immobilienblase in den USA nicht vorhersagbar war.

Dass diese Blase platzen musste, war aber schon lange davor offensichtlich. Siehe etwa den Eintrag auf diesem Blog: US-Immobilienblase wird wahrscheinlich platzen vom 11. Jänner 2006.

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