Globalisierung: Lesetipps (I)

Mit seinem letzten “Survey of the World Economy” (14.9.06) hat der britische Economist eine gute Übersicht über die aktuellen Entwicklungen der Weltwirtschaft und die Probleme mit der Globalisierung geliefert.

Der Fokus der Autorin Pam Woodall liegt natürlich auf den Folgen der Integration insbesondere Chinas und Indiens in die Weltwirtschaft. Eine der Aussagen: Die historische Dominanz dieser Volkswirtschaften, die im Gefolge der Industriellen Revolution in den heute reichen Ländern beendet wurde, dürfte in den nächsten Jahrzehnten wiederhergestellt werden.

Bemerkenswert am Survey, zumal für ein wirtschaftsliberales Magazin: Der infolge des neuen Verhältnisses zwischen Kapital und Arbeit zuletzt steigende Anteil der Unternehmensgewinne am Volkseinkommen in den reichen Ländern wird als problematisch identifiziert – der Nutzen aus der Globalisierung ist ungleich verteilt, die Reallöhne insbesondere der Mittelschichten nehmen kaum zu oder sinken. Die Empfehlung lautet daher mehr Umverteilung: “(…) governments may need to redistribute the benefits of globalisation more fairly through the tax and benefits system.”

Fast alle Artikel sind leider nur für AbonnentInnen zugänglich. Allgemein verfügbar sind jedoch der Einleitungsartikel, The new Titans, der vor allem eine historische Perspektive liefert, ein Audio-Interview mit Pam Woodall sowie ein Quellenverzeichnis (Sources and Acknowledgements), ein für Menschen mit ausreichend Zeit und Interesse sicher wertvoller Teil des Surveys.

Einige dieser Quellen sind auch im Web gratis verfügbar. Nachfolgend eine Auswahl ebenfalls durchaus lesenswerter Analysen:

  • Zu möglichen Wachstumsszenarien der Weltwirtschaft und der “BRICs” (Brasilien, Russland, Indien, China):
    Global Economics Papers von Goldman Sachs: Dreaming With BRICs: The Path to 2050 (1.Okt. 2003) (pdf, 580 kB) und How Solid are the BRICs? (1.Dez. 2005) (pdf, 435 kB);

  • Zum Potenzial der Auslagerung insbesondere großer Teile des Dienstleistungssektors:
    Fear of Offshoring, Center for Economic Policy Studies der Princeton University, Dezember 2005 (pdf, 100 kB)

  • Zur vielleicht überraschenden Feststellung, dass die EU in den letzten Jahren besser mit der Globalisierung zurecht gekommen zu sein scheint als die USA:
    Globalisation : Trends, Issues and Macro Implications for the EU (pdf, 745 kB) – Europäische Kommission, Generaldirektion für Wirtschaft und Finanzen, Economic Paper No. 254, Juli 2006

  • Und zuletzt zur Argumentation, dass die politische Unterstützung der Globalisierung nicht zuletzt davon abhängt, dass Regierungen für ausreichende soziale Absicherung und Umverteilung sorgen:
    Public Opinion, International Economic Integration, and the Welfare State (Kenneth F. Scheve und Matthew J. Slaughter, Mai 2004), (pdf, 196 kB)

    Ich selbst verfolge den Aufstieg des Südens (nicht nur Asiens) auch schon ziemlich lange. Im November 1994 etwa habe ich mich etwa im Südwind-Magazin mit dem Artikel Markt und Macht kurz damit befasst (an diesen Artikel habe ich mich erst durch den Economist Survey wieder erinnert …).

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