KeynesianerInnen und Vollgeld: Eine Analyse von Joseph Huber

Seit einiger Zeit musste ich feststellen, dass ein erheblicher Teil „linker“, in der Regel „keynesianischer“ ÖkonomInnen mit dem Vollgeld-Konzept nichts anfangen kann.

Nicht nur das. Sie scheinen auch, eventuell aus denselben Gründen, die Bildung von Blasen auf Vermögensmärkten nicht oder nur beschränkt wahrzunehmen, ganz zu schweigen davon, dass sie Ursachen korrekt identifizieren könnten – wie es etwa vor der US-Subprime-Krise der Fall war. Ein Beispiel war Stephan Schulmeister, mit dessen eigenartigen „Empfehlungen“ an die EU-Politik (u.a. Senkung der Sparquote wie in den USA) ich mich bereits 2005 ausführlich auseinandergesetzt habe (siehe Schulmeister auf Abwegen?).

Das gilt aber leider auch für Heiner Flassbeck, den ich ansonsten wegen seiner eloquenten Kritik an der Austeritätspolitik der EU und dem Neomerkantilismus Deutschlands überaus schätze.

Wie ich bereits vermutet habe, dürfte das Problem im Allgemeinen an einer „elfenbeintürmerischen“ Schlagseite fast aller ÖkonomInnen liegen, von der ich weitgehend verschont blieb: Mein Verständnis ökonomischer Vorgänge hat sich jenseits ideologischer Grabenkämpfe an universitären Volkswirtschaftsinstituten entwickelt. Im Speziellen liegt es aber offenbar an gewissen Denkfiguren der keynesianischen Tradition, die darzustellen jenseits meiner Kompetenzen liegt.

Stattdessen verweise ich hier auf eine Analyse von Joseph Huber auf vollgeld.de, in der er die intellektuellen Wurzeln des von mir konstatierten Unverständnisses beleuchtet: Eingeschränkte Sicht. Die Keynesianische Denkwelt gegenüber Giralgeldkritik und Vollgeldreform.

Ein Zitat aus der Einleitung als „Teaser“:

„Im Vergleich zu den vorgenannten Lehrmeinungen fällt die Kritik von Seiten eines orthodoxen Nachfrage­keynesianismus, Linkskeynesianismus, Monetär­keynes­ianismus, Postkeynesianismus, Circuitismus und der Modern Money Theory erheblich heterogener, gleichwohl oft genug ablehnend aus. Zwar gibt es im Einzelfall auch hier wie im Mainstream durchaus Unterstützung. Aber dort, wo Vollgeld auf grundsätzliche Ablehnung stößt, handelt es sich doch auffällig häufig um Vertreter jener Denkwelten Keynesianischer Herkunft. So sehr sie sich im einzelnen unterscheiden mögen, haben sie anscheinend alle ein tiefer sitzendes Problem mit der Kritik des bestehenden Giralgeldregimes und Ansätzen einer Vollgeldreform. Woher rührt das Problem? Warum gehören so viele Vertreter der Keynesianischen Denkwelt zu den größten Kritikern der Finanzmärkte und zugleich zu den treuesten Verteidigern des bestehenden Geld- und Bankensystems? Das scheint für die betreffenden Autoren nicht der eklatante Widerspruch zu sein, der es ist.“

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