Überliquidität (II): Greenspan, Bernanke & Co – die „Leuchten“ als Armleuchter?

„More than shocking“: Greenspan, Bernanke und andere vermeintliche Leuchten der US-Finanzpolitik scheinen die herrschende Überliquidität vielleicht tatsächlich als weltweiten „Überschuss an Ersparnissen“ misszuverstehen.

Selten finde ich in Medien inklusive dem Web Analysen, die zwar völlig sachlich gehalten sind, aber gerade wegen ihrer Stimmigkeit bei mir eine Art kathartische Wirkung auslösen. Eben gerade stolpere ich über einen aktuellen Kommentar des von mir zuletzt bereits zitierten Kurt Richebächer, The Fed’s Wild Imagination vom 17.9.05. Das ist genau eines dieser seltenen Stücke.

Angesichts der offensichtlichen Tatsachen von einer weltweiten „Flut“ von Ersparnissen als möglicher Ursache der überraschend niedrigen langfristigen US-Zinsen zu sprechen sei der „Höhepunkt der Unverschämtheit und Absurdität“, meint Richebächer; und dass diese Ansicht von führenden Vertretern der Federal Reserve vertreten werde sei eben „more than shocking“. Daher das Zitat vom Anfang.

Was die asiatischen Zentralbanken „recyclen“, seien nicht die asiatischen Ersparnisse, sondern der Kreditexzess in den USA. Dass das Problem der übermäßigen Geld-/Kreditschöpfung insbesondere nach China exportiert wird, erwähnt Richebächer genauso wie die Gefahr – besser: hohe Wahrscheinlichkeit – einer „harten Landung“, in China ebenso wie in den USA.

Dass diese Analyse und Warnung von Ökonomen kommt (Richebächer ist bei weitem nicht der einzige!), die der im linken Spektrum oft verteufelten österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre nahestehen (Hayek, von Mises etc.), stört mich jedenfalls nicht. Lagerdenken ist mir fremd. Es kommt darauf an, ob die Analyse korrekt ist und nicht darauf, aus welcher vermeintlichen ideologischen Ecke sie stammt. Aber wo sie Recht haben, haben sie Recht: Die Weltwirtschaft ist möglicherweise nicht in der Hand von Leuchten, sondern von Armleuchtern.

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