Industrialisierung: China 2005 – Oberösterreich 1919

China mag geographisch weit weg sein. Emotional ist es mir wieder ein Stück näher gerückt.

Auf 100 bis 150 Millionen oder mehr wird die Zahl der “WanderarbeiterInnen” in China geschätzt – eine diskriminierte und ausgebeutete Unterklasse des “Wirtschaftswunders” im Reich der Mitte.

Einen Einblick in die Lebensumstände dieser Menschen bietet ein Interview mit einer 21-jährigen Wanderarbeiterin, das Anfang März im China Labour Bulletin (Hongkong) veröffentlicht wurde:
The “Nine Lives” of a Chinese Woman Migrant Worker: Ms. Zhang Tells Her Story
. (Etwas Geduld kann wegen des ab und zu langsamen Verbindungsaufbaus nötig sein.)

Ein Grund, warum mich ihre Geschichte berührt hat, war die Handverletzung, die sich die junge Frau bei einem Arbeitsunfall in einer Bekleidungsfabrik zugezogen hat, glücklicherweise aber offenbar ohne bleibende Behinderungen.

Die Mutter meines Vaters hatte weniger Glück. Sie hatte als junge Arbeitsmigrantin (aus Unter Markschlag nach Linz) bei einem Arbeitsunfall ihre rechte Hand verloren – das dürfte etwa 1919 gewesen sein, allerdings in einer Nudelfabrik.

Eine weitere (neben dem China Labour Bulletin) gute Informationsquelle zu Arbeitsbedingungen, gewerkschaftlichen Aktivitäten etc. in China und der Asien-Pazifik-Region ist die Website von CSR Asia (Corporate Social Responsibility in Asia), insbesondere ihre Weekly Reports (pdf-Dokumente).

Eine Behinderung erhöht das Armutsrisiko übrigens erheblich – nicht nur, aber ganz besonders in armen Ländern.

Einige Fakten:
# Behinderte Frauen haben ein zwei- bis dreimal höheres Risiko, körperlich misshandelt oder sexuell missbraucht zu werden als Frauen ohne Behinderungen.
# Nur zwei Prozent der behinderten Menschen in Entwicklungsländern haben Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgung und Rehabilitation.
# 20 Millionen Menschen weltweit benötigen einen Rollstuhl, haben aber keinen.

Die Fakten entstammen dem Schwerpunktthema Behinderung (Link zum Hauptartikel) in der Ausgabe 2-06 des Südwind-Magazins. Die Artikel erschienen ursprünglich in der Ausgabe 384 des New Internationalist.

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