[4.9.2004]

seuchenangst: hello orwell

Für die Instrumentalisierung von Unwissenheit und Angst zur Herrschaftsausübung fehlt es nicht an historischen Beispielen. Die heute regelmäßig geschürte Angst vor Infektionskrankheiten, getarnt als gesundheitspolitische Verantwortlichkeit, ist dazu ebenso trefflich geeignet. Im Extremfall ließe sich damit die Errichtung eines orwellianischen politischen Systems bewerkstelligen.

2003 herrschte in weiten Teilen Asiens hysterische Angst vor einer Atemwegserkrankung namens SARS. Dass praktisch im Handumdrehen in der Folge weitgehende Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten durchgesetzt werden konnten, war für mich alarmierend - insbesondere auch der Aspekt der Gewaltbereitschaft gegen Menschen, die es wagten, sich ohne Mundschutz an öffentlichen Plätzen aufzuhalten. Auf dem selben Weg könnte noch weit Schlimmeres inszeniert werden. Ein beängstigendes Beispiel waren bzw. sind unter anderem die von der US-Regierung geplanten zwangsweisen Massenimpfungen im Falle eines mutmaßlichen oder erwarteten terroristischen Angriffs mit biologischen Waffen.

Als ein nützliches Hilfsmittel zur Bewertung der regelmäßig wiederkehrenden Warnungen vor neuen viralen Seuchen kann diese Checkliste verwendet werden. Sie ist ein Werk von Jon Rappoport (u.a. Betreiber der Website www.nomorefakenews.com), publiziert im Mai 2003 in Zusammenhang mit der SARS-Hysterie. Die Orginalfassung kann hier gelesen werden.

Ein grundlegendes Problem in diesem Zusammenhang ist m.E. die "Schnittstelle" zwischen der medizinischen Wissenschaft und der Öffentlichkeit. Diese - notwendige - Funktion wird von Behörden und Medien erfüllt, die in diesen Fragen aber nicht neutral sind, sondern eigene Interessen verfolgen. Massenmedien unterhalten insbesondere in Krisenzeiten auch ein Nahverhältnis zu politischen EntscheidungsträgerInnen. Das ebnet den Weg für unterschiedliche "Win-win"-Abmachungen, die auf jeweils plausibel erscheinenden Definitionen des "öffentlichen Interesses" beruhen können.

Vorauseilender Gehorsam der Medien ist eine Version. Massenmedien können aber auch von politischen EntscheidungsträgerInnen "kooptiert" werden, wenn es darum geht, die öffentliche Meinung in diese oder die andere Richtung zu manipulieren. Nachrichten über neu entdeckte Infektionskrankheiten etwa ergeben eine perfekte "Win-win"-Situation: Schlechte Nachrichten sind bekanntlich gute Nachrichten, daher besteht für Massenmedien ein Anreiz, offizielle Warnungen 1:1 wiederzugeben oder zu verstärken, ohne die wissenschaftliche Basis näher zu prüfen, die die Realität der angeblichen Bedrohung untermauert.

Ist einmal für Panik und Hysterie gesorgt, wird meist völlig auf jede Vorsicht in Zusammenhang mit "wissenschaftlichen" Erkenntnissen verzichtet. Beliebige vorläufige Ergebnisse, Hypothesen irgendwelcher medizinischer Forschungsteams in beliebigen Winkeln der Erde werden als wissenschaftliche "Tatsachen", also als die "Wahrheit" verbreitet.

Im Fall von SARS und dem mutmaßlichen Erreger der Krankheit, einer neuen Abart des Corona-Virus, schenkte praktisch niemand Berichten Beachtung, dass beim Großteil der offiziell zu "SARS-Fällen" erklärten Erkrankungen in Kanada dieses ominöse neue Virus nicht nachgewiesen werden konnte.

Praktisch alle paar Monate oder noch rascher wird derzeit über immer neue Seuchengefahren berichtet, von der Geflügelgrippe (Vogelgrippe, Geflügelpest) über Ausbrüche der Legionärskrankheit bis zu angeblich "resistenten" menschlichen Grippeviren. Der Nebeneffekt (oder Haupteffekt) scheint zu sein, ein unterschwelliges Klima der Angst aufrechtzuerhalten.

Ich kann diese Entwicklungen natürlich nicht im Einzelnen verfolgen. Aber ich halte es für notwendig, auf die in dieser Frage möglichen Manipulationen hinzuweisen und davor zu warnen, selbst in einer wahrscheinlich "verwaisten" Seite im Dickicht des Internet.



gesundheit / medizin

Letzte Änderung: 05 07 2007

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