[März 1998]

Das Kreuz mit den Bananen

Die umstrittene Bananenmarktordnung der Europäischen Union muß nach ihrer Verurteilung durch die Welthandelsorganisation reformiert werden. Zum Handkuß dürften vor allem Kleinbauern in der Karibik kommen.

Kaum eine Brüsseler Verordnung hat die Gemüter im internationalen Bananengeschäft so erhitzt wie die "Gemeinsame Marktordnung für Bananen" von 1993. Im Zuge der Schaffung des Binnenmarkts entzog die EU den Firmen, die bisher Bananen aus Lateinamerika vermarktet hatten, bis zu 50% ihres Geschäftsvolumens. Die Importe aus Lateinamerika wurden schließlich auf 2,2 Millionen Tonnen reduziert und mit einem Zoll von 75 ECU/Tonne belegt. Gleichzeitig teilte die EU 30% der Einfuhrlizenzen für diese "Dollarbananen" jenen Unternehmen zu, die bisher mit Bananen aus der EU, aus Afrika und der Karibik gehandelt hatten. Diese Firmen können seither ihre Lizenzen verkaufen oder selbst ins Geschäft mit Dollarbananen einsteigen. Dies sicherte ihre Existenz und trieb die Preise hoch - "absurd und kriminell", so das Urteil eines betroffenen deutschen Fruchthändlers. Gerade in Deutschland, wo zuvor lediglich Dollarbananen importiert wurden, stiegen die Preise erheblich.

Diesen massiven Eingriff in den Bananenhandel begründete die EU mit dem Schutz der Einfuhren aus den AKP-Ländern (Afrika, Karibik, Pazifik), wozu die Union aufgrund des Lomé-Abkommens verpflichtet ist. Es handelte sich um bis zu 700.000 Tonnen, die mangels Wettbewerbsfähigkeit genauso wie die EU-Bananen nur auf abgeschotteten Märkten innerhalb der EU abgesetzt werden konnten. Für diese traditionellen Einfuhren besteht seit 1993 ein zollfreies Kontingent von 857.000 Tonnen, während die EU-Produktion durch Ausgleichszahlungen gestützt wird.

Ein Handelsstreit mit den lateinamerikanischen Exportländern und mit Washington war zu erwarten. Die USA wurden auf Betreiben ihres Fruchtmultis Chiquita Brands International aktiv. Chiquita gehört neben Dole und Del Monte zu jenem Dreigespann, das einen Großteil des internationalen Bananengeschäfts kontrolliert. Nicht nur ihr Quasi-Monopol in Zentralamerika war gefährdet. Zudem sicherte die EU Costa Rica, Kolumbien, Nicaragua und Venezuela auch die Vergabe von Exportlizenzen, was die Position der Regierungen gegenüber den Exportfirmen stärkt.

Die USA sowie Ekuador, Guatemala, Honduras und Mexiko wandten sich schließlich an die 1995 gegründete Welthandelsorganisation WTO. Mit Erfolg: Im September 1997 bestätigte ein Untersuchungsausschuß endgültig die WTO-Widrigkeit der EU-Verordnung. Hauptbetroffen ist das System der Einfuhrlizenzen für das Zollkontingent der Dollarbananen. Die EU diskriminiere hier zwischen eigenen und fremden Dienstleistungsunternehmen, so der WTO-Spruch. Zur Reparatur der beanstandeten Mängel hat die EU nun bis Ende 1998 Zeit.

Was wird sich ändern? Jedenfalls wenig, was die Exportmöglichkeiten der Lateinamerikaner betrifft. Die meisten Länder haben ihr entgangenes Absatzpotential in der EU durch eine Expansion in Osteuropa wettgemacht. Gefährdet sind jedoch zweifellos die AKP-Exporte. Die Zollfreiheit für traditionelle AKP-Bananen wurde zwar prinzipiell akzeptiert - für diese existiert bis Februar 2000 eine Ausnahmegenehmigung der WTO. Mit dem Fall des Lizenzsystems ist aber das Hauptinstrument gefallen, mit dem massive Absatzeinbrüche verhindert wurden, wenn auch der Preisdruck auf die Produzenten seither erheblich zunahm.

Wie sich die EU-Kommission eine Reform der Bananenmarktordnung vorstellt, hat sie Mitte Jänner in einem ersten Vorschlag präsentiert. Die wesentlichen Neuerungen: Das Lizenzverfahren für das Zollkontingent soll abgeschafft und durch ein generelles Länderquotensystem ersetzt werden. Für die AKP-Länder soll es für höchstens zehn Jahre ein Modernisierungsprogramm geben, und zwar zusätzlich zu Transfers durch STABEX, einem Lomé-Mechanismus zur Stabilisierung der Exporterlöse. Vor allem die karibischen Windwards-Inseln erhielten bereits erhebliche Entschädigungen für Produktionsausfälle durch Wirbelstürme.

Für eine Direkthilfe spricht, daß sie die EU billiger kommen würde als der bisherige Protektionismus. Der kostet die EU-Konsumenten derzeit mehr als zwei Milliarden US-Dollar pro Jahr, wie die Weltbank berechnete, wovon aber nur rund 300 Millionen US-Dollar an die EU- und AKP-Produzenten fließen. Die Differenz streift vor allem der Handel über die höheren Preise ein. Trotzdem ist zu befürchten, daß diese Finanzhilfe ein frommer Wunsch bleibt, denn das Hilfsbudget für die AKP-Staaten ist innerhalb der EU seit Jahren umstritten. Als Hauptexponenten stehen sich Paris und Bonn gegenüber, wo das Lomé-Abkommen als Auslaufmodell betrachtet wird.

Untergangsstimmung herrscht daher besonders auf den Windwards, die aufgrund ihrer hohen Exportabhängigkeit und ihrer kleinbäuerlichen Produktion mit den schlimmsten Folgen rechnen. Eine Ironie, daß gerade sie vorführen, welche Veränderungen im internationalen Bananengeschäft tatsächlich nötig wären. Die Inselstaaten übernahmen Ende 1995 gemeinsam mit der irischen Fyffes das Bananenimperium der britischen Geest. Sie verfügen damit über Plantagen in Costa Rica, vor allem aber über Kühlschiffe und eine Reifungs- und Vermarktungsinfrastruktur in der EU. Außerdem wird auf zukunftsfähige Marktnischen gesetzt: Die britische Supermarktkette Tesco, die 25% der Bananen in Großbritannien vermarktet, verkauft Windwards-Bananen mit einem Umweltgütesiegel und will dieses Geschäft auf bis über 18.000 Tonnen jährlich ausbauen.

Gerade die Förderung solcher Produktionen ist für EUROBAN, einer Koalition von 30 europäischen Aktionsgruppen, die eigentliche Alternative zu einer Bananenindustrie, die billige Preise unter Inkaufnahme hoher sozialer und ökologischer Kosten erzielt. Hilfreich wären etwa ein Aufbruch des Oligopols im Bananenhandel sowie Einfuhrquoten für FairTrade-Bananen - letzteres läßt die auf dem Umweltauge blinde WTO allerdings noch nicht zu. Die Absatzchancen sind vorhanden: Eine Umfrage der Kommission ergab, daß 11% der EU-Konsumenten FairTrade-Bananen auch bei einem Preisaufschlag von 20% kaufen würden. In den Niederlanden liegt ihr Marktanteil schon jetzt bei 10%, in der Schweiz bei 14%.




archiv artikel

südwind themen

Letzte Änderung: 19 04 2012


disclaimer impressum
© robert poth
alle rechte vorbehalten
Kontakt: office@rpoth.at