[März 2009]
Südafrika/Wirtschaftskrise: Keine Panik
Nach fast zehn Jahren Expansion kommt Südafrikas Wirtschaft plötzlich zum Stillstand. Die Regierung beruhigt: Durchtauchen und neu starten lautet die Devise.
Der weltweite Konjunktureinbruch
kam auch für die Wirtschaft Südafrikas
überraschend – und wie in vielen anderen
Ländern zum schlechtesten Zeitpunkt.
Denn bevor die externe Nachfrage
nachließ, hatte die Zentralbank die Leitzinsen
erhöht, um die steigende Inflation
zu bekämpfen und eine Überhitzung zu
verhindern. Beide wachstumsdämpfenden
Effekte verstärkten sich nun seit vergangenem
Sommer und bereiten einer
neunjährigen kräftigen Expansion ein abruptes
Ende. Ob Exportnachfrage, privater
Konsum, Kreditnachfrage und Investitionen,
alle Kennzahlen weisen nach unten;
die Industrieproduktion lag schon
im Dezember um 7% unter dem Vorjahresniveau.
Einziger positiver Nebeneffekt
ist die Stabilisierung der Stromversorgung:
Nach den Engpässen im Vorjahr
gibt es jetzt wieder Überkapazitäten.
Noch ist die Talsohle nicht erreicht,
aber insgesamt dürfte Südafrika eine Rezession
vermeiden. Für das Gesamtjahr 2009 sei ein Wachstum von 1,2% zu erwarten,
erklärte Finanzminister Trevor
Manuel Mitte Februar. Doch danach
sollte sich die Konjunktur wieder erholen,
gestützt durch niedrigere Zinsen,
den Tourismus in Zusammenhang mit
der Fußballweltmeisterschaft 2010 und
höhere Investitionen in die Infrastruktur.
Die Regierung will in den nächsten drei
Jahren knapp 80 Mrd. US-Dollar in
Kraftwerke, Eisenbahnen, Straßen und
Fußballstadien investieren. 2010 und
2011 soll es dann mit plus 3% bzw. 4%
wieder aufwärtsgehen – was weitgehend
der Prognose des Finanzdienstleisters
Absa Capital entspricht (siehe Grafik).

Risiken bleiben aber. Die Regierung
konnte die enorm hohe Arbeitslosigkeit
seit 2003 von 31% auf 23% reduzieren
und dabei jährlich 500.000 neue Arbeitsplätze
generieren. Im kommenden Jahr könnten jedoch 250.000 Jobs in Bergbau
und Industrie verloren gehen, prognostizierte
die südafrikanische Investmentfirma
Macquarie First. Wachsende soziale
Spannungen könnten auch die externe
Stabilität gefährden. Das Leistungsbilanzdefizit
erreichte 2008 mit 8% des BIP
bereits alarmierende Dimensionen. Zwar
beruhigt die Regierung: Geringere Konsumausgaben
und der Rückgang der privaten
Investitionen würden die Importnachfrage
senken und das Defizit auf
6,3% verringern. Absa Capital erwartet
sogar nur minus 4,5% – u.a. weil die geringeren
Gewinne der Unternehmen
auch die Dividendenabflüsse ins Ausland
drücken werden.
Das verweist aber auch auf den großen
Umfang der ausländischen Portfolio-Investitionen
an der südafrikanischen Börse.
Durch Kapitalabflüsse könnte die nationale
Währung Rand stärker an Wert
verlieren, was über teurere Importe die
Inflation neuerlich in die Höhe treiben
und der SARB (südafrikanische Zentralbank)
ein klassisches Dilemma bescheren
würde: Die Inflation mit Zinserhöhungen
zu bekämpfen würde den konjunkturellen
Aufschwung wieder torpedieren.
Im Fall einer Währungs- und Liquiditätskrise
stünde aber wohl der
Internationale Währungsfonds bei Fuß –
mit der neuen kurzfristigen Liquiditätsfazilität
für Länder mit „solider“ Wirtschaftspolitik.
Südafrika könnte also auf
jeden Fall mit einem blauen Auge davon
kommen.
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Letzte Änderung: 02 03 2010