[Februar 1998]

Tiger in der Falle

Die südostasiatischen Tigerstaaten und Südkorea sind in ihrem Streben nach mehr Eigenständigkeit und raschem Wachstum in die Falle der Finanzmärkte geraten. Eine Gelegenheit, die sich vor allem die USA nicht entgehen lassen.

Als am 2. Juli 1997 die Zentralbank in Bangkok vor den spekulativen Attacken gegen die Landeswährung kapitulierte und der thailändische Baht sofort 20% seines Werts verlor, war das folgende Drama kaum vorauszuahnen. Seit damals mußten die Regierungen in Thailand, Malaysia, Indonesien, den Philippinen und zuletzt Südkorea miterleben, wie clevere Währungsspekulanten und in Panik geratene Fondsmanager die Börsen und Währungen ihrer Länder in ein Rekordtief nach dem anderen stürzten.

Von Juni 1997 bis Anfang Jänner verloren der Baht, der malaysische Ringgit sowie der koreanische Won gegenüber dem US-Dollar etwa 50% ihres Werts, der philippinische Peso 30%. Die indonesische Rupiah sackte sogar um bis zu 80% ab. Ein identisches Bild an den Börsen: die Kurse lagen in Jakarta, Bangkok und Kuala Lumpur um rund 80%, in Manila und Seoul um etwa 70% tiefer als Ende 1996. Eine Überschuldung des Privatsektors und die geplünderten Währungsreserven zwangen nacheinander Thailand, Indonesien und Südkorea, den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Kredithilfe zu ersuchen.

Wie ist dieser plötzliche Absturz einer Region zu erklären, die mit hohen Wachstumsraten bis zu 10% in den letzten Jahren ein vielgepriesenes Wirtschaftswunder erlebt hatte?

Ein Grund war die Umleitung von Investitionen in spekulative Aktivitäten, die durch ein unzureichend kontrolliertes und teilweise korruptes Bankensystem ermöglicht wurden. Außerdem hatten sich die Länder auf ein riskantes Finanzierungsmodell eingelassen: die ausländischen Direktinvestitionen, vor allem aus Japan, hatten Anfang der 90er Jahre nachgelassen. Daraufhin suchte man nach anderen Kapitalquellen, um hohe Leistungsbilanzdefizite finanzieren zu können, und fand sie vor allem in den US-Investmentfonds.

Ihnen wurde ein roter Teppich ausgelegt: die Zinsen wurden erhöht und die Landeswährungen an den US-Dollar gebunden, was den Investoren das Wechselkursrisiko ersparte; die Kapitalverkehrskontrollen wurden beseitigt, sodaß Kapital jederzeit exportiert werden konnte. Während der Zustrom von Portfolio-Investitionen die Börsenkurse in die Höhe trieb, wurde die Spekulation durch vergleichsweise niedrigverzinste Auslandskredite finanziert.

Damit steckten die Länder aber bereits in einer Falle: gehen die Exporte zurück oder zeigt es sich, daß der Kapitalzufluß (Kredite und Portfolio-Investitionen) kein Wachstum, sondern bloß den Import von Konsumgütern oder gar spekulative Booms finanziert, wäre eine Abwertung ratsam. Genau damit läuft man aber Gefahr, die Portfolio-Investoren zu verscheuchen. Schraubt man stattdessen die Zinsen noch höher, um die Währung zu stützen, treibt man die eigene Wirtschaft in die Rezession und verschlimmert die Finanzierungsprobleme. Wenn sich zudem in einigen Sektoren aufgrund der inländischen Hochzinspolitik hohe Auslandschulden angehäuft haben, wird das Dilemma umso größer: man riskiert, die betroffenen Sektoren in den Bankrott zu treiben, da die Schuldenlast mit jeder Abwertung zunimmt.

Thailand liefert dabei ein abschreckendes Beispiel. Hier hatten Banken und Unternehmen einen großteils kreditfinanzierten Boom im Immobiliensektor und an der Börse inszeniert. Der steigende Wert der Immobilien und Aktien diente als Sicherheit für immer höhere Kredite, mit denen der Boom weiter angeheizt wurde; ausländische Investmentfonds waren in die Hausse eingestiegen. Ende 1996 standen etwa allein im Großraum Bangkok 300.000 unverkaufte Wohnungen leer. Die spekulative Blase an der Börse war ebenfalls geplatzt - im Mai lagen die Börsenkurse um 65% unter ihrem Rekordhoch; Immobilienkredite in Höhe von rund 27 Milliarden US-Dollar waren "notleidend".

Ein großer Teil dieser Schulden war direkt oder indirekt durch kurzfristige Dollarkredite finanziert. Das Bankensystem stand vor dem Kollaps. Insgesamt stand der thailändische Privatsektor mit rund 80 Milliarden US-Dollar im Ausland in der Kreide, der Großteil davon war 1998 fällig. Da die Exporte Thailands stagnierten und das hohe Leistungsbilanzdefizit nicht durch frisches Kapital finanziert werden konnte, war die Rückzahlung der Auslandskredite gefährdet.

Wie Währungsspekulation funktioniert
Mit Währungsspekulation kann man sich eine goldene Nase verdienen. Das ist spätestens seit 1992 allgemein bekannt: Damals verdiente der US-amerikanische Multimillionär George Soros an der Abwertung des britischen Pfund rund eine Milliarde US-Dollar. Wie funktioniert das?

Im Prinzip kann jeder von einer Abwertung profitieren, der auf den Devisenterminmärkten operiert - Spekulationsabsicht ist nicht Voraussetzung. Auf diesen Märkten können Währungen per Vertrag im voraus gekauft und verkauft werden, wobei solche Termingeschäfte zumindest eine Laufzeit von einem Monat haben. Verkaufe ich etwa Inlandswährung gegen US-Dollar auf Termin, muß ich sie je nachdem erst in einem Monat oder noch später liefern; ich muß sie also bei Vertragsabschluß nicht besitzen. Wird die Währung in der Zwischenzeit abgewertet, kaufe ich sie billiger ein. Die Differenz zwischen meinem "Terminkurs" und dem "Kassakurs" zum Liefertermin ist mein Gewinn.

Dies ist der grundlegende Mechanismus. Spekulative Attacken zielen aber darauf ab, eine Abwertung während der Laufzeit solcher Termingeschäfte zu erzwingen. Das funktioniert im allgemeinen nur mit einer ordentlichen Kriegskassa. Die ist vorhanden: spekulative Investmentfonds (vor allem "Hedge Funds") und spekulierende Privatpersonen verfügen nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) über rund 100 Milliarden US-Dollar. Verschiedene Finanzinstrumente erlauben es sogar, diesen Einsatz bis auf das Zehnfache zu erhöhen.

Bei einer solchen Attacke werden meist nach dem obigen Schema massive Verkäufe der Inlandswährung gegen US-Dollar auf dem Terminmarkt des betroffenen Landes vorgenommen, um die vorhandenen Devisenreserven zu plündern. Die Zentralbank interveniert auf den Terminmärkten und verkauft US-Dollar, um den Kurs zu halten. Sobald sie die Nachfrage nach US-Dollar zum gegebenen Wechselkurs nicht mehr voll befriedigen kann oder will, kommt es zu einer Abwertung. Dies kann eine generelle Flucht aus der Inlandswährung und eine Abwertungsspirale auslösen, wodurch die Profite der Spekulanten höher werden und sich weitere Spekulationsmöglichkeiten ergeben.

Prädestinierte Opfer sind beispielsweise Länder, denen eine Verknappung der Währungsreserven droht - etwa durch fällige Rückzahlungen von Auslandsschulden, durch ein steigendes Leistungsbilanzdefizit oder durch eine Kapitalflucht nach einem Börsenkrach. Hat die inländische Wirtschaft zusätzlich Finanzierungsprobleme, ist das perfekte Szenario für Spekulanten gegeben. Das war und ist etwa in Südostasien bzw. in Südkorea der Fall. Aber auch starke Währungen können attackiert werden, wie etwa der Hongkong-Dollar im Oktober.
Dann kam die Attacke - oder wie es Andrew Crocket, Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gegenüber dem Handelsblatt ausdrückte: "An einem bestimmten Punkt bekommen die Märkte den Durchblick und sagen: Hallo, was passiert denn hier?".

Auch in anderen Ländern der Region hatten sich ähnliche kreditfinanzierte Spekulationsblasen gebildet und das Bankensystem mit faulen Krediten belastetet. Plötzlich verloren die Börsen ihre Attraktivität, überall hatten sich scheinbar nicht rückzahlbare Schulden aufgetürmt, denn ein Verfall der Preise bei Halbleitern um 80% hatte die Elektronikexporte der Region empfindlich getroffen, viele Großprojekte erschienen plötzlich als weiße Elefanten. Daß die außenwirtschaftliche Situation der betroffenen Länder durchaus nicht so prekär wie die Thailands war, spielte keine Rolle mehr.

Warum hatten sich diese Länder auf ein solches Finanzierungsmodell eingelassen? Ein Grund sind die höheren Wachstumsraten, die im Prinzip durch Auslandskapital ermöglicht werden. Seit 1991 hatten die Investitionen der Länder ihre Ersparnisse überstiegen, bei Sparquoten von 30 bis 40% ein beachtlicher Investitionsschub. Einen weiteren Grund nennt Walden Bello von der University of the Philippines, Autor einer Studie über das Entwicklungsmodell der kleinen Tiger: die japanischen Direktinvestitionen seit Mitte der 80er Jahre hatten es den Regierungen in der Region ermöglicht, sich den strukturellen Anpassungsprogrammen der internationalen Finanzinstitutionen entziehen - lediglich die Philippinen blieben unter Kuratel.

Mit der "Bestrafung" durch die Finanzmärkte hat sich die Strategie, "vagabundierendes" Kapital als Ersatz für langfristige Direktinvestitionen zu benutzen, als Illusion entpuppt. Und außerdem, besonders bitter, als Eigentor: denn die drohende Zahlungsunfähigkeit trieb die Region nun genau in die Arme jener Finanzinstitutionen, vor deren Zugriff sie sich ursprünglich retten wollten.

In Südkorea wiederum hatte sich schon seit langem eine Finanzkrise angedeutet. Das Bankensystem war durch die notorische Überschuldung der Chaebols, der riesigen Industriekonglomerate, und durch zahlreiche Konkurse bereits überlastet. Sieben Chaebols waren im Laufe des vergangenen Jahres zusammengebrochen oder hatten Konkursantrag gestellt, darunter Kia Automobiles. Acht der größten Banken des Landes hatten praktisch nicht rückzahlbare Kredite im Ausmaß von 40% ihrer Portfolios. Und auch hier hatten die zur Inflationsbekämpfung hochgehaltenen Zinsen Banken und Unternehmen dazu verführt, sich im Ausland zu verschulden, was kein Problem war: Den Koreanern wurden die Kredite "regelrecht aufgedrängt", zitiert der Spiegel den Harvard-Ökonomen Jeffrey Sachs. Kapitalflucht und Attacken gegen den Won taten ein übriges - Ende November waren die Währungsreserven bis auf 5 Millliarden Dollar geschrumpft, und Südkorea mußte beim IWF zu Kreuze kriechen.

Unter Regie des IWF wurden mittlerweile drei Kreditpakete für Thailand (17 Milliarden US-Dollar), Indonesien (40 Mrd. Dollar) und Südkorea geschnürt, das mit weiteren 57 Mrd. Dollar größte Hilfspaket aller Zeiten. Zugrundeliegende Annahme: die betroffenen Länder - eigentlich ihre Privatsektoren - sind nicht bankrott, sondern haben nur kurzfristige Liquiditätsprobleme. Die allerdings in einer beachtlichen Dimension: allein in Thailand werden 1998 fast 80 Milliarden Dollar fällig, in Südkorea rund 40 Mrd. bis Ende März 1998, weitere 60 - 70 Milliarden bis Ende 1998. Das Ausmaß der notwendigen Konsolidierung durch Konkurse, Fusionen und Übernahmen ist ebenfalls gewaltig: Die Banken in Thailand, Indonesien, Malaysia und den Philippinen sitzen auf faulen Krediten, die auf über 70 Milliarden US-Dollar oder 13% des Bruttoinlandsprodukts der Region geschätzt werden, in Südkorea könnten es sogar 20% sein.

Wie nach der mexikanischen Peso-Krise 1994/95 wird prinzipielle Kritik an der Finanzhilfe geäußert. Indem man den für die riskante Kreditvergabe mitverantwortlichen Banken in den USA, Europa und Japan eine Rückzahlung der Schulden garantiere, erhöhe sich in Zukunft die Wahrscheinlichkeit einer riskanten Kreditpolitik. Tatsächlich hatten westliche Banken noch im ersten Halbjahr 1997, und zwar bis Juli, rund 20 Mrd. Dollar in die Region gepumpt, wie Daten der Bank für internationalen Zahlungsausgleich beweisen.

Fliegende Gänse im Gegenwind
Die schwere Finanzkrise der südostasiatischen Länder hat neuerlich Anlaß gegeben, ihr Entwicklungsmodell in Frage zu stellen. Rasches Wachstum und die allgemeine Steigerung des Lebensstandards, so die bisherige Kritik, wurden mit einem Raubbau an natürlichen Ressourcen und zunehmender Ungleichheit erkauft. Letzeres wurde zuletzt auch von der Weltbank bestätigt. Nun scheint es auch mit den hohen Wachstumsraten vorbei zu sein. Ist das zugrundeliegende Modell damit gescheitert?

Die exportorientierte Industrialisierung der kleinen Tiger wird auf ein Modell zurückgeführt, das ursprünglich in den 30er Jahren in Japan konzipiert wurde: das Paradigma der "fliegenden Gänse". Dabei übernimmt ein Land die Führung, beginnt mit arbeitsintensiven Produktionen wie der Textilindustrie und klettert die technologische Leiter hoch. Die nachgeordneten Länder übernehmen jeweils jene Industrien, die sich im führenden Land als nicht mehr rentabel erweisen. Wachstum und die folgende Schrumpfung jeder Branche läßt sich in Form von umgekehrten Vs darstellen - ähnlich einer Gruppe fliegender Gänse. Japan hätte demnach die Rolle der technologischen "Leitgans", während vor allem die USA als jener Markt dienen, der die Exporte aufzunehmen hat.

Dieses Modell impliziert eine wesentliche Rolle des Staates im Entwicklungsprozeß, wie es in Japan und etwa auch in Südkorea und Taiwan der Fall war. Die Industrialisierung der kleinen Tiger erfolgte jedoch im wesentlichen durch japanische und US-Konzerne wie Matsushita, Intel oder Hewlett-Packard, die sich die Region als eine Art verlängerter Werkbank aussuchten. Daraus folgen Schwächen, etwa die schmale Exportbasis. Die Region stützt sich vor allem auf die Elektronik- und Textilindustrie und war daher verwundbar, als die Preise bei Halbleitern um bis zu 80% verfielen. Laut Toru Shinotsuka von der japanischen Entwicklungsagentur OECF krankt die Exportindustrie außerdem an einer mangelnden Integration in die lokale Wirtschaft, es fehlt etwa an Investitionen in eine einheimische Zulieferindustrie. Dadurch müssen wesentliche Komponenten importiert werden, die tatsächliche Wertschöpfung im eigenen Land bleibt gering. Dazu kommen fehlende Investitionen in die Infrastruktur und in das Humankapital.

Zwar stehen den kleinen Tigern aufgrund der fortschreitenden Handelsliberalisierung nicht mehr jene Möglichkeiten zum Schutz von jungen Industriezweigen zur Verfügung, wie es in Südkorea oder Taiwan der Fall war. Die angeführten Mängel scheinen aber auch unter den aktuellen Rahmenbedingungen behebbar zu sein. Die Abhängigkeit von der Aufnahmebereitschaft der Märkte in den USA und Europa bleibt allerdings bestehen. Daran wird sich auch entscheiden, ob es die kleinen Tiger schaffen, sich rasch aus der jetzigen Krise "herauszuexportieren" und gegen wachsende Konkurrenz vor allem aus China zu bestehen. Andernfalls wäre das Modell tatsächlich am Ende.
Umstritten sind jedoch vor allem die an die Kreditzusagen geknüpften Bedingungen. Strenge Budgetdisziplin und hohe Zinsen, so wird befürchtet, könnten die bereits eingetretene Wirtschaftskrise noch verschlimmern. Manche Experten sehen alle betroffenen Länder am Beginn einer unter Umständen mehrjährigen Rezession; der IWF sagte zuletzt für 1998 1,7% Wachstum für die Gruppe der hauptbetroffenen südostasiatischen Länder voraus. Selbst dies hätte dramatische Folgen: Indonesien etwa benötigt laut Weltbank ein Wachstum von zumindest 5%, um jene zwei Millionen Menschen zu integrieren, die alljährlich neu auf den Arbeitsmarkt strömen; in Südkorea wird eine Verdreifachung der Arbeitslosigkeit auf neun Prozent befürchtet - eine explosive Situation, da nirgendwo in der Region ausreichende Systeme der sozialen Absicherung existieren. Traditionelle ethnische Konflikte könnten wiederaufleben: mögliche Sündenböcke wären vor allem die chinesischen Bevölkerungsgruppen.

Politischen Sprengstoff enthalten auch die weiteren Bedingungen. Verlangt wird - und dies durchaus begründet - eine tiefgreifende Reform der Finanzsektoren in der Region. Gerade die mangelnde Kontrolle der privaten Banken und ihre Verfilzung mit politisch einflußreichen Kreisen machte es ja möglich, daß Spekulationsgeschäfte in einem derartigen Ausmaß finanziert und erst so spät entdeckt werden konnten. Letzlich käme dies jedoch einer wesentlichen Entmachtung der bisherigen politischen Eliten gleich. In Südkorea ist die enge Kooperation zwischen Regierung, Banken und Unternehmen sogar die Basis des bisherigen Wirtschaftswunders.

Der erwartete politische Widerstand könnte der Grund sein, warum eine sofortige Deregulierung des Sektors und ein rascher Verkauf der angeschlagenen Banken an ausländische Finanzinstitutionen befürwortet wird. Dies sowie die Bedingung, ausländische Kapitalbeteiligungen von mehr als 50% auch in anderen Sektoren der Wirtschaft zu ermöglichen, kommt außerdem den Interessen ausländischer Konzerne entgegen: sie könnten sich zu Schleuderpreisen in lukrative asiatische Märkte einkaufen. Wie billig, verdeutlichte der gewählte Präsident Südkoreas, Kim Dae Jung Anfang Dezember: Ausländische Investoren könnten nun "unsere 26 Banken, 27 Wertpapierhäuser, 12 Versicherungen und 21 Kommerzbanken" für insgesamt bloß 5,5 Billionen Won (damals 3,7 Milliarden Dollar) erwerben. Für die koreanische Zeitung Joongang Ilbo war klar, daß die Hilfe an Südkorea letzlich dem Zweck diene, die mit japanischen und US-Konzernen konkurrierenden Chaebols auseinanderzubrechen.

Daß die USA, aber auch die Europäische Union und Japan die Finanzkrise und den IWF als willkommene Gelegenheit begreifen, ihre eigene wirtschaftlichen Interessen zu befördern, ist auch an anderen Bedingungen zu erkennen. So fordert der IWF von Südkorea, Maßnahmen gegen US-Automobile und japanische Einfuhren aufzuheben, während Indonesien die Auflage erteilt wird, den Aufbau einer nationalen Autoproduktion mit koreanischer Hilfe einzustellen, sobald ein negativer Schiedsspruch der Welthandelsorganisation WTO ergeht. Sowohl die USA als auch die Europäische Union hatten dagegen bei der WTO protestiert.

Nicht laut, aber doch erheben sich warnende Stimmen: Die USA könnten mit ihren jetzigen Forderungen gegenüber den ostasiatischen Ländern zu weit gehen, schrieb David I. Hitchcock, ein ehemaliger US-Diplomat und Mitarbeiter des Washingtoner Center for Strategic and International Studies (CSIS), Anfang Jänner in der Straits Times (Singapur). Zwar sei es jetzt noch so, daß die Menschen in den betroffenen Ländern ihre eigenen Eliten für die wirtschaftliche Misere verantwortlich machen; ein nationalistische, anti-westliche Reaktion sei aber durchaus im Bereich des Möglichen.


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Letzte Änderung: 05 07 2007


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