Fast schon skurril

ma48_skurril
Das Marktamt lässt bauen, dann abreißen, um noch einmal zu bauen – und die Gemeinde beschert dem Yppenviertel die teuerste Citybike-Station der Stadt.

Seit ich der Gemeinde- und Bezirksverwaltung ab und zu auf die Finger sehe, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Meine letzte Überraschung ist etwa eine Woche alt. Da stellte ich fest, dass die zwei neuen Stahltürrahmen, offenbar ein Teil der geplanten Absperrung des Mistplatzes in Zusammenhang mit der Errichtung des “Flagship Store” für die Craft Beers der Ottakringer Brauerei, wieder weg waren.

Seit Dezember 2014 waren sie zu bewundern. Nun klaffen dort tiefe Baugruben (siehe Bild oben). Die Wiener Netze (Gas und Strom) sind an der Arbeit – bis Ende April soll das dauern. Das hat das Marktamt im Herbst 2014 offenbar nicht gewusst – oder wurde die MA 59 gar in böser Absicht nicht zeitgerecht informiert? Letzten Endes egal, kostet ja nur unser Geld. [Nachtrag: Laut Bezirksratskreisen (SP) wussten Marktamt und Bezirk wirklich nichts von nötigen Arbeiten am Gasnetz. Bleibt die Frage: Wussten es die Wiener Netze? Und wurden die Wiener Netze zuvor um entsprechende Informationen ersucht?]

citybike_yppenplatz Wieviel davon, werden wir zu Lebzeiten nicht mehr erfahren. Sicher ist nur: Der im folgenden beschriebene üble Scherz wird uns um einiges teurer zu stehen kommen – nämlich die Verlegung der Citybike-Station Nr. 111, die erst Anfang Oktober 2013 eröffnet wurde. Denn auch diese Infrastruktur steht den neuen Plänen der Gemeinde im Weg und soll in Hinkunft in der Yppengasse neu auferstehen.

Solche Standorte sind nicht billig. Laut einer Vereinbarung mit der Betreiberin Gewista (Teil des Konzerns JCDecaux) von 2010 leistet die Stadt Wien Baukostenzuschüsse für die von ihr in der Folge angemieteten Anlagen; im Fall der Yppenplatz-Station dürfte es sich um 68.700 Euro gehandelt haben (25% davon hat übrigens der jeweilige Bezirk an die Stadt zu refundieren). Da kommt jetzt wohl ein Betrag etwa in der selben Größenordnung dazu, denn die Kosten für Abbau, Verlegung an einen anderen Standort und Wiederherstellung der Oberfläche hat die Gewista nur dann zu tragen, wenn die Verlegung auf ihre Veranlassung erfolgt. Was im konkreten Fall nicht anzunehmen ist.

Wir AnrainerInnen können jedenfalls stolz darauf sein, schon bald über die mit Abstand teuerste Citybike-Station Wiens zu verfügen (im Verhältnis zur Zahl der Radstandplätze). Und wir sind auch wieder gescheiter geworden: Wir wissen nun, was unsere Gemeindeverwaltung unter “verantwortlichem Umgang mit Steuergeldern” versteht.

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