In memoriam Peter Haberhauer

Peter Haberhauer im Café Horizont, September 2015

Peter Haberhauer im Café Horizont, September 2015

Peter Haberhauer alias “Waldviertler Peter”, “Onkel Peter”, wahlweise Koch, Elektriker, Schildermonteur, Charmeur, Philosoph oder Alleswisser, ist nicht mehr. Er starb im Mai 2016 in seiner kleinen Wohnung in der Payergasse, an der so genannten “Piazza” am Yppenmarkt. Woran genau sollte die amtliche Obduktion ergeben haben, deren Ergebnis mir aber unbekannt ist. Sein Gesundheitszustand war zuletzt nicht mehr der beste, und einige Vermutungen sind naheliegend – Gewissheit wird es keine geben.

Zu dieser Seite
Diese Seite ist vorerst nur meinem persönlichen Gedenken an Peter Haberhauer gewidmet. Wer immer daran mitwirken will, ist jedoch herzlich dazu eingeladen (office@rpoth.at).

Mit vielen Fragezeichen sind auch seine Herkunft und der tatsächliche Verlauf seines Lebens behaftet. Die von ihm selbst erzählte Version entspricht vielleicht nur in ganz groben Zügen der Wahrheit – trotz der beeindruckenden Fülle von Details, die es einem nur schwer glauben lassen, dass alles vielleicht nur ein Ausdruck einer beachtlichen Erzählkunst gewesen sein könnte.

Und doch ist zumindest diese Version seines Lebens der Allgemeinheit zugänglich – dank Robert Puskas, der im Dezember 2010 in Heidenreichstein ein längeres Gespräch mit Peter Haberhauer geführt hat. Das daraus entstandene, mehr als zweistündige Tondokument ist in zwei Teilen auf der Website der Österreichischen Mediathek, einer Außenstelle des Technischen Museums Wien, unter den folgenden Links abrufbar:

Teil 1 (identisch mit Teil 2): Oral History Interview mit Peter Haberhauer – 1. Teil
Teil 3 (identisch mit Teil 4): Oral History Interview mit Peter Haberhauer – 3. Teil

Er ist auch noch immer auf Facebook präsent: Peter Haberhauer.

Peter der Letzte
Christoph Baumgarten hat auf seinem Blog “balkan stories” einen persönlichen Nachruf verfasst – unter dem Titel Peter der Letzte.

Sicher ist soviel: Peter Haberhauer war ein “Original”, ein “bunter Hund” und ein kaum wegzudenkender Bestandteil des Alltagslebens im Grätzel, nicht nur auffällig wegen seiner Größe, sondern auch wegen seines Markenzeichens, einem mit stets wechselnden Federn geschmückten Hut, den er nicht immer, aber doch regelmäßig zu tragen pflegte. Auf dem Bild oben trägt er die Schwungfeder eines Seeadlers, die ich in den Donauauen gefunden hatte – ein Geschenk, mit dem ich ihm einige Freude bereiten konnte.

Es gibt viele, die nähere Einblicke in das Leben Peter Haberhauers hatten; an erster Stelle wäre Ferdinand Facchinelli, Werbegestalter (vulgo “Ferl”) zu nennen, der mehr als ein Jahrzehnt mit Peter beruflich und privat zu tun hatte. Ob es möglich sein wird, außer im privaten Umfeld auch öffentlich mehr Klarheit über das Leben Peter Haberhauers zu schaffen, wird großteils von Ferdinand Facchinelli abhängen.

Ob es überhaupt sinnvoll ist, dieses Ziel zu verfolgen, ist eine Frage, die noch zu beantworten wäre …

Alle Interessierten sind jedenfalls herzlich dazu eingeladen, entweder in Form von Kommentaren oder anderen Beiträgen (office@rpoth.at) an diesem Projekt mitzuwirken oder daran Kritik zu üben.

Ich habe praktisch keine Fotos von Peter, doch das nachstehende habe ich gefunden – ist aber von Martin Klausser, der wohl nichts dagegen haben wird, dass es hier erscheint. Von Februar 2011, auch im Café Club Horizont, wie das obige.

Peter im Café Club Horizont

Peter im Café Club Horizont

Peter am Eingang zum Lager der Biomartin KG

Peter am Eingang zum Lager der Biomartin KG. Foto von Gerhard Paschinger.

Video

Im August oder im September 2013 habe ich eine Szene im Café International gedreht, in der Peter zu sehen ist; im Wesentlichen seine Hände – Teil eines damaligen Videoprojekts über Hände, bisher nicht realisiert. Peter gehörte zu den Menschen, die auch mit den Händen sprechen. Der Ton ist leider vom Geklappere hinter der Bar dominiert, aber ein bisschen von der Stimme ist noch zu hören. Hier im Format mp4 und webm.

Letzte Ruhestätte


Peters letzte Ruhestätte befindet sich am Wiener Zentralfriedhof – Gruppe 67, erweiterte Reihe 15 A, Grab 92.


Für den Fall, dass ihn jemand dort besuchen möchte: Hier gibt es einen Wegweiser in Form von drei Karten (Anklicken für große Version).

Ich hatte beim Begräbnis leider keine Zeit und habe das Grab dann erst im zweiten Anlauf gefunden, beim ersten hatte ich intelligenterweise den Plan zu Hause vergessen, und die Gruppennummer hatte ich falsch in Erinnerung. Ein Smartphone, das mir da hätte entscheidend helfen können, besitze ich derzeit leider keines.

Leider sieht das Grab derzeit (April 2017) etwas mickrig aus, das Brett mit der Namensplakette (siehe Foto unten) war auch abgebrochen und lag verkehrt auf dem Grab. Da sollte eigentlich etwas geschehen, allerdings sind die Möglichkeiten sehr beschränkt.

Es handelt sich um ein so genanntes “Sozialgrab” (vulgo “Armengrab”), da keine Angehörigen ausfindig gemacht werden konnten und auch sonst niemand bereit war, für Begräbnis- und Grabnutzungskosten aufzukommen. Es handelt sich um einen Betrag in der Größenordnung von 2.000 Euro, wie mir die Friedhofsverwaltung mitteilte. Genaueres wäre bei der Buchhaltung zu erfragen.

Mangels edler SpenderInnen gelten daher die Regeln für Sozialgräber. Solche Gräber werden von der Friedshofsverwaltung für zehn Jahre aufrechterhalten und standardmäßig begrünt, d.h. mit Gras; um eine effiziente Grabpflege, sprich Rasenmähen zu ermöglichen, darf es am Grab keinen anderen Bewuchs geben. Feste Umrandungen, Grabsteine etc. sind ebenfalls ausgeschlossen. Bleibt nur das Anbringen eines Holzkreuzes oder einer ähnlichen Konstruktion, so die Auskunft.

Nun, da werde ich mir etwas einfallen lassen; wäre doch nett, wenn man da z.B. auf einer Tafel auch ein paar Fotos unterbringen könnte.

Hans Martin Diem. In unmittelbarer Nähe des Grabes von Peter Haberhauer – ca. 50m entfernt – befindet sich übrigens auch die letzte Ruhestätte von Hans Martin Diem, dem ursprünglichen Initiator des Bio-Großhandels am Yppenplatz – aus Zufall oder aufgrund einer unbekannten internen Regelung der Friedhofsverwaltung. “Der Biomartin”, wie er in der Regel genannt wurde, schlief Anfang April 2017 am Steuer des Iveco-Transporters der Biomartin KG ein – und wachte nicht mehr auf.

Ich habe den Ort des Grabes behelfsmäßig auf der zweiten Karte oben eingetragen. Die Daten: Gruppe 84, Reihe 14, Grab 10.

Neue Grabtafel
Dank einer kollektiven Anstrengung ist es nun – Mitte September 2017 – gelungen, das Grab von Peter Haberhauer durch eine neue Grabtafel aus massivem Holz zu verschönern.

Die Zeichnung, eine Impression von Peter, stammt von Erich Tiefenbach (erichtiefenbach.com), die Tafel selbst von Andrea Mutschlechner / Community Steinergasse 8 (Rohmaterial, Siebdruck und Witterungsschutz, ), die nicht sichtbare ober- und unterirdische Befestigung von meiner Wenigkeit. Unverzichtbar auch die tatkräftige Mitwirkung von Lisi Schweiger (u.a. Transport) und Rainer Wieland.

Baumleichen, Hitzeinsel, Verdichtung & Versiegelung

Der heiße und trockene Sommer scheint zahlreichen standort-gestressten Bäumen am und um den Yppenplatz den Rest zu geben. Die Wohnbauten und Umgestaltungen aus der Ideenkiste der Bezirksverwaltung sorgen für eine weitere Aufheizung des lokalen Klimas.

Baumleiche in speAls Anrainer genieße ich das Privileg, den von mittlerweile zwei kostspieligen Umgestaltungen betroffenen Yppenpark direkt von meiner Wohnung aus bewundern zu dürfen. Was nicht unbedingt ein Genuss ist. Im Laufe des Sommers begann sich einer der vor einigen Jahren gepflanzten Ahorne in eine Baumleiche in spe zu verwandeln. Was auch immer diesem Baum neben der Hitze so zusetzt, werden wir genau wohl nie erfahren. Bisher sah er halbwegs normal aus. Klar ist leider nur, dass die 2010 vollmundig angekündigte Beschattung im Yppenpark in immer fernere Zukunft rückt. Aber es gibt ja den Huberpark … (siehe Rashomon am Yppenplatz).

Silberlinde mit AblaufdatumEin herber Rückschlag war in dieser Hinsicht ja auch auf der Piazza zu verzeichnen, die seit April 2015 um zwei Silberlinden ärmer und um zwei kleine Zürgelbäume reicher ist. Der dritten schon etwas maroden Linde am “Extremstandort” gab das Stadtgartenamt offenbar noch eine Gnadenfrist – in Anbetracht ihres aktuellen Zustands dürfte dieselbe aber eher kurz bemessen sein (siehe Foto). Was die Umbenennung des dortigen Lokals Miš in “Zu den drei Linden” fast prophetisch erscheinen lässt, denn von den ursprünglich sechs Linden auf der Piazza werden bald wirklich nur mehr drei vorhanden sein. Weiterlesen

Yppenviertel: Gentrifizierungsopfer Wildtiere

Dass Dachbodenausbauten und diverse Renovierungs- und Sanierungsvorhaben in der Stadt lebende Wildtiere bedrohen, ist keine neue Erkenntnis – die bekanntesten Opfer sind Turmfalken, Mauersegler und Fledermäuse.

Zu den Turmfalken meint etwa Mag. Petra Sumasgutner (Department für Naturschutzbiologie, Vegetations- und Landschaftsökologie, Universität Wien): „Der aktuelle Trend der Fassadenrenovierungen und Dachbodenausbauten macht den Turmfalken jedoch zu schaffen, jedes Jahr gehen langjährig genutzte Brutnischen verloren. Daher werden Nistkästen in Zukunft an Bedeutung gewinnen, möchte man den Turmfalken als Brutvogel in Wien erhalten.” (Siehe Stadt der Turmfalken.)

Weyprechtgasse 8-10

Weyprechtgasse 8-10

So ist es auch rund um den Yppenplatz. Die Renovierung des Hauses Weyprechtgasse 8-10 inkl. Dachbodenausbau ab Herbst 2013 hat den Mauerseglern jede Nistmöglichkeit entzogen – siehe Foto rechts. Im Jahr vor dem Ausbau konnte ich straßenseitig noch einen benutzten Nistplatz identifizieren, was ich leider nicht mit Aufnahmen oder Videos untermauern kann.

Dachbodenluken Payergasse 16

Dachbodenluken Payergasse 16

Sehr wohl veranschaulichen kann ich den Verlust einiger Nistplätze für Turmfalken durch den Dachbodenausbau in der Friedmanngasse 24 (Weyprechtgasse 1) seit November 2014.

An der Fassade dieses Hauses gab es rundherum knapp unter dem Dach runde Maueröffnungen, wohl Dachbodenluken, ähnlich wie am Haus Payergasse 16 (siehe Foto).
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Trends am Yppenplatz: Eine subjektive Visualisierung

Yppenplatz - früher

Yppenplatz – früher

Eine Visualisierung der laufenden “Gentrification light” am Yppenplatz – aus subjektiver Sicht.

Eine Beurteilung der Entwicklungen der letzten Jahre am Yppenplatz und in der Umgebung wird stets subjektiv sein – ein wesentlicher Faktor ist z.B. das verfügbare Einkommen. Nachstehend habe ich versucht, die Entwicklung aus meiner Sicht in visueller Form darzustellen. (Da ich den aktuellen Stadtplan als Grundlage verwenden musste, zeigt auch der Plan oben “Yppenplatz – früher” bereits den neuen Yppenpark und die Piazza.)

Auf dem Plan oben habe ich alles, was ehemals aus meiner Sicht einen Teil der lokalen Lebensqualität ausmachte, mittlerweile aber nicht mehr existiert, rot eingezeichnet.

Das ist aber nur ein Teil der subjektiven Kosten der “Gentrifizierung”. Der zweite, größere Teil lässt sich dem nachstehenden zweiten Plan entnehmen: Dort habe ich alles schwarz eingezeichnet, was neu hinzugekommen (inklusive bereits Geplantes), aber für mich unbrauchbar ist – nicht weil es qualitativ schlecht, unsympathisch oder sonstwie negativ wäre, sondern weil ich es mir schlicht nicht leisten kann und auch keinen Bedarf daran habe.
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Yppenpark/Yppenplatz: Korrespondenz mit dem Magistrat

Seit Herbst 2012 habe ich etwas Korrespondenz mit diversen Abteilungen des Wiener Magistrats geführt – mit dem Stadtgartenamt (MA 42), dem Marktamt (MA 59), der scheinbar namenlosen MA 48 (Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark) und der Baupolizei (MA 37). Diese gibt’s hier zum Nachlesen …

Die drei Themen (Links):
Umgestaltung Yppenpark neu (Herbst 2012)
Online-Baumkataster und Silberlinden / Piazza (Mitte 2014)
Marktamtgebäude & Ottakringer (Herbst/Winter 2014)

Yppenpark, Umgestaltung 2010 & Beschattung

Anfrage über den Bürgerdienst der Stadt Wien, 13.10.2012. (Siehe Rashomon am Yppenplatz.)

    Umgestaltung Yppenplatz 2010 – Ergebnisse
    Auch zweieinhalb Wachstumsperioden nach der neuerlichen Umgestaltung des Yppenplatzes ist das Ergebnis im Hinblick auf Begrünung und Beschattung zweifellos ernüchternd (auf diese Aspekte beziehe ich mich hier, nicht auf andere, die ich positiver bewerte, etwa Sitzgelegenheiten).

    Die Beschattung des Platzes durch die beiden Pergolen bleibt ein Zukunftstraum. Während an der Pergola an der Ostseite (mit Glück) vielleicht in fünf Jahren mit etwas Schatten zu rechnen ist, sieht es an der Westseite katastrophal aus. Schon 2011 war offensichtlich, dass die dort gesetzten Kletterpflanzen nicht hochkommen; im Frühsommer 2012 wurde halbherzig „nachgebessert“, d.h. andere Kletterpflanzen per Schilf-/Bambusrohre an die Pergolaständer angelegt; auch das war ein Schlag ins Wasser, siehe Foto 1 (Anfang Oktober). Die Bodenpflanzen unter der neu angelegten Lindenreihe an der Südseite sind ebenfalls weitgehend ungeeignet, siehe Foto 2 (Ende August).

    Sonstige „Missgeschicke“: 2011 wurde ein neu gesetzter, gut gedeihender Baum bei der Lieferung neuen Sands für die Sandkiste von einem ungeschickten Mitarbeiter (Stadtgartenamt oder Auftragnehmer) in ca. 2 m Höhe abgehackt und im Folgejahr durch eine andere Baumart (warum?) ersetzt, die sich bisher als Kümmerling darstellt (Foto vorhanden); südlich der Toilettenanlage wurden 2010 zwei Bäume gesetzt, die sich dort offensichtlich nicht wohl fühlen – der erste verkümmerte bereits im ersten Jahr und wurde unterdessen durch eine andere Baumart, ein spärlich beblättertes, mitleiderregendes Exemplar ersetzt (Foto vorhanden), der zweite erleidet nun dasselbe Schicksal (siehe Foto 3, Ende August). Seltsamerweise wird genau auf die Baumart verzichtet, die sich an diesem Standort nachweislich wohl fühlt – eine Paulownia nämlich (eine äußerst schnellwüchsige Art mit ausladenden Ästen und großen Blättern, die genau das kann, was erforderlich ist: schnell für Schatten sorgen).

    Die Umsetzung der dort prächtig gedeihenden Paulownia war m.E. der schlimmste Schildbürgerstreich im Rahmen der Umgestaltung 2010, den ich leider nicht fotografisch dokumentiert habe. Es handelte sich um die zweite Paulownia am selben Standort. Die erste gedieh ebenfalls wunderbar,wurde aber Opfer einer Windböe (offenbar da die Stützen für den Stamm zu früh entfernt wurden – der Stamm brach nur Zentimeter über dem Boden glatt ab). Diese zweite Paulownia passte offenbar nicht ins neue „Konzept“ von 2010, wurde ausgegraben und an einen anderen Ort neben dem Fußballkäfig versetzt. Dort gab sie bald darauf den Geist auf und musste entsorgt werden.

    Bilanz bisher: Es gibt weniger Schatten als vor 2010, und das wird noch die nächsten zehn Jahre so bleiben, wenn nicht entschlossenere und zielorientiertere Maßnahmen ergriffen und weitere Schildbürgerstreiche vermieden werden. Zu solchen Maßnahmen möchte ich mit diesem Schreiben anregen.

    Robert Poth

Reaktion MA 42
Mitte Oktober 2012 erhalte ich die Antwort des Stadtgartenamts, per E-Mail via Bürgerdienst.

    Sehr geehrter Herr Poth!

    Danke für ihre ausführlichen Anregungen – seitens der MA 42 wird versucht die Ausgestaltung von Parkanlagen so nutzergerecht wie möglich auszuführen. Leider ist das aufgrund der vielen unterschiedlichen Bedürfnisse nicht immer möglich allen Anforderungen gerecht zu werden.

    Trotz Absperrung konnte die Unterpflanzung in den Baumscheiben, dem Nutzerdruck nicht standhalten. Auch die erste Begrünung der Pergola mit Klettergehölzen, die unter normalen Bedingungen 2-3 Meter Jahreszuwachs haben, ist aufgrund Vandalismus gescheitert.

    Die im Sommer nachgepflanzten Wisterien haben beste Baumschulqualität und werden im Laufe der nächsten Jahre die Pergola begrünen – sofern diese nicht erneut mutwillig angezündet, aus- oder abgerissen werden.
    Betreffend des entfernten Jungbaumes kann berichtet werden, dass dieser mit dem asiatischen Bockkäfer befallen war und daher so rasch wie möglich entfernt werden musste. Die am Yppenplatz im Frühjahr neu gepflanzten Bäume werden seitens der MA 42 intensiv betreut und regemäßig bewässert. Grundsätzlich benötigt ein Jungbaum 2-3 Jahre Anwuchspflege bis dieser einen ausreichenden Wurzelraum, für die Eigenversorgung, entwickelt hat. Entsprechend der Wurzelaktivität entwickelt sich auch die Krone der Bäume.

    Der von ihnen priorisierte Blauglockenbaum erfüllt nur teilweise die Anforderungen an einen Stadtbaum – dessen Jungbäume sind nicht ausreichend frostsicher – sein Holz ist leicht windbrüchig und wird daher in stark frequentierten Bereichen nicht mehr verwendet.

    Die im Park durchgeführten Maßnahmen sind für `Außenstehende `nicht immer nachvollziehbar, sind jedoch fachlich und sachlich begründbar. ( Spielrelationen, Pflege-, und Erhaltungsarbeiten, Parkbetreuungskonzept, Raum für Veranstaltungen, geringer Erdkörper durch Bunkerdecke…. )

    Sollten sie noch Fragen haben – bitte melden sie sich. Da es am Yppenplatz in den Sommermonaten kaum schattige Bereiche gibt, darf ich ihnen den nahe gelegenen Huberpark empfehlen. Dort gibt es genügend Bänke im Schatten von Großgehölzen.

    mit freundlichen Grüßen
    Ing. Bettina Hofbauer
    MA 42-Wiener Stadtgärten
    Gartenbezirk 5
    Nietzscheplatz 3
    1160 Wien

Online-Baumkataster Piazza, Silberlinden, Stadtgartenamt, Marktamt, MA 48

Anfrage über das Kontaktformular des Stadtgartenamts, 8.4.2014. (Siehe Rashomon am Yppenplatz II: Der Online-Baumkataster.)

    Sehr geehrte MA 42,
    ich hätte gerne Auskunft zu den folgenden Fragen betreffend insbesondere den Online-Baumkataster:

    1. Auf der “Piazza” auf dem Brunnenmarkt, Ecke Payergasse/Brunnengasse stehen sechs Silberlinden. Wie kommt es zu den merkwürdigen Pflanzjahren dieser Bäume, die dem Baumkataster zu entnehmen sind (1977, 2000, 2001, 2004)?

    2. Am Yppenplatz wurden in den letzten Jahren zahlreiche Jungbäume gepflanzt, zuletzt im Rahmen einer EU-subventionierten Umgestaltung im Jahr 2010. Wie lässt sich erklären, dass bis auf eine einzige Ausnahme bei allen der ca. 40 oder 41 Bäume am Yppenplatz im Kataster angeführt ist: “Pflanzjahr unbekannt”? Laut Website der Stadt Wien ist angeblich “ab 2006 das genaue Pflanzjahr bekannt”.

    3. Bei jungen Bäumen sind dem Baumkataster quer durchs gesamte Stadtgebiet zumeist folgende Angaben zu entnehmen: Kronendurchmesser: 3m Baumhöhe: 1m. Welche Gründe haben die MA 42 dazu bewogen, offenbar routinemäßig unmögliche und absurde Daten in den Kataster einzugeben?

    4. Laut Website der Stadt Wien werden alle Bäume im Baumkataster anhand einer vierstufigen Vitalitätsskala eingestuft. Warum sind diese Vitalitätsstufen nicht im Online-Baumkataster angegeben?

    5. Der Zustand von drei der sechs anfangs erwähnten Silberlinden auf der Piazza verschlechtert sich seit Jahren in erschreckendem Ausmaß (Baumnummern 7, 8 und 11). Welcher Vitalitätsstufe sind diese Linden zugeordnet, welche Gründe könnten nach Ansicht der MA 42 für diese Verschlechterung maßgeblich sein und gibt es aus Sicht der MA 42 noch eine Chance, diese Silberlinden zu retten?

    Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus
    Mit freundlichen Grüßen
    Robert Poth

Reaktion MA 42, 10.4.2014

    Sehr geehrter Hr.Poth

    Danke für Ihren Hinweis.

    Da noch nicht alle Bäume vollerfasst sind kann es z.Z. noch zu Informationslücken kommen. Wir werden die Daten in nächster Zeit ergänzen.

    Der schlechte Zustand der Linden ist aufgrund von Stress als Folge eines Extremstandortes zurückzuführen. Eine Verbesserung kann durch gärtnerischen Maßnahmen leider nur bedingt erzielt werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Berger
    Dezernat 6, Referat Baumsicherheit- u. -pflege

Mit diesen leider etwas spärlichen Informationen wende ich mich am 10.4.2014 an das meiner Meinung nach zuständige Marktamt, die MA 59:

    Betreff: Salzstreuung Piazza Brunnenmarkt
    Anliegen:
    Im Rahmen der Umgestaltung des Brunnenmarkts wurden 1999 auf der “Piazza” Ecke Brunnengasse/Payergasse sechs Silberlinden gepflanzt. Es handelt sich um ein Marktgebiet (“SO Markt”). Die drei westlichen Silberlinden zeigen seit Jahren immer stärkere Krankheitsanzeichen und sind existenziell gefährdet.

    Das Stadtgartenamt meint dazu (Zitat): “Der schlechte Zustand der Linden ist aufgrund von Stress als Folge eines Extremstandortes zurückzuführen. Eine Verbesserung kann durch gärtnerischen Maßnahmen leider nur bedingt erzielt werden.”

    Meiner Vermutung nach leiden die drei Bäume schwer unter der Salzstreuung im Winter (MA 48 im Auftrag der MA 59, nehme ich an). Meine Anregung ist daher, die MA 59 sollte auf der Piazza im Winter auf eine Salzstreuung durch die MA 48 verzichten.

    Mit freundlichen Grüßen
    Robert Poth

Reaktion der MA 59, 11.4.2014

    Sehr geehrter Herr Poth!

    Danke für Ihr Interesse an den Wiener Märkten! Ich werde Ihr Anliegen an die MA 48 weiterleiten.

    mit freundlichen Grüßen
    BISCHOF Manfred
    Magistratsabteilung 59
    Marktverwaltung

Reaktion der MA 48, 19.5.2014

    GZ: MA 48 – BSSR-290761/2014 Wien, 19. Mai 2014 Bue
    Salzstreuung
    16., Piazza Brunnenmarkt

    Sehr geehrter Herr Poth!

    Bezugnehmend auf Ihre E-Mail vom 10.04.2013, möchten wir uns vorerst für die späte Rückmeldung entschuldigen, und dürfen Ihnen Folgendes mitteilen:

    Der Winterdienst erfordert einen tragfähigen Kompromiss zwischen der Sicherheit für FußgängerInnen, FahrradfahrerInnen und AutofahrerInnen einerseits, und dem nachhaltigen Schutz der Umwelt andererseits. Wir sind bemüht einen effizienten Winterdienst unter Einsatz von möglichst geringen Ressourcen, basierend auf Forschungsergebnissen der TU Wien, zu gewährleisten.

    Im Winterdienst der Stadt Wien kommt vorwiegend die Feuchtsalztechnologie zum Einsatz. Hierbei wird das Streugut mit Sole befeuchtet, wodurch ein Streuverlust minimiert und die Tauwirkung maximiert wird. Das schont Boden, Pflanzen und Grundwasser und sorgt – Stichwort Feinstaub – für eine bessere Luftqualität.

    Die von Ihnen genannte Örtlichkeit wird maschinell betreut. Der Bereich in dem die Bäume gepflanzt sind, wird vorwiegend zur Schneeablage verwendet. Dieser wird nach einer kurzen Lagerung abgeführt. Eine negative Auswirkung des Winterdienstes auf die Bäume ist daher nicht gegeben. Gerade im dicht verbauten Stadtgebiet sind Bäume von einer Vielzahl anderer Faktoren betroffen. Wie Ihnen bereits durch die fachlich zuständige Dienststelle bekannt gegeben wurde, sind die genannten Bäume stressbelastet.

    Weiters möchten wir Ihnen mitteilen, dass die FahrerInnen der MA 48 jährlich, vor Beginn der Winterdienstsaison, sowohl in Streumethoden als auch Streutechnologien geschult werden, um die zu Verfügung stehenden Mittel bestmöglich einzusetzen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Leiter Straßenreinigung und Winterdienst:
    Andreas Kutheil, eh.

Womit zweierlei klar war: 1. Niemand ist schuld, wenn Bäume eingehen. 2. Gepflanzt wird auch dort, wo es offenbar sinnlos ist. Mittlerweile haben wir ja anstatt zwei der drei Silberlinden Zürgelbäume. Der dritten Linde wurde eine Gnadenfrist gegeben. Lange wird sie nicht dauern, so meine Prognose Ende Mai 2015.

Marktamtsgebäude / Ottakringer

Nach dem Beginn des vorerst mysteriösen Abbruchs des Marktamtgebäudes am Yppenplatz und mit Zweifeln an der Rechtmäßigkeit des Geschehens wende ich mich am 28. Oktober 2014 an die Baupolizei (MA 37). (Siehe Yppenmarkt: Sinnlose Subvention für Gastronomie und Flagship-Store Brauwerk Wien: Ein Grau- oder Schwarzbau?.)

    Anfang Oktober wurde mit dem Abriss des Marktamtsgebäudes am Yppenplatz 4 begonnen; mittlerweile ist das Gebäude fast zur Gänze abgetragen; die Außenmauern sind noch in einer Höhe von ca. 1 m vorhanden (per 28.10.2014).
    Auf Anfrage bestätigte die Ottakringer Brauerei (Mag. Gabriele Grossberger, Marketingleiterin) am 8. Oktober des Jahres, dass hier das neue Flagship-Store des Brauwerk Wien errichtet wird. Ebenso wurde angegeben, dass derzeit keine Pläne des geplanten Bauwerks veröffentlicht werden und es sich um einen „Umbau“ handelt. Von Bezirksseite gibt es dazu bisher keine näheren Informationen mit Ausnahme einer Auskunft von Herrn Bezirksvorsteher Franz Prokop, wonach hier tatsächlich ein Standort der Ottakringer Brauerei mit einem Schanigarten entsteht.

    Ich hätte in diesem Zusammenhang die folgenden Fragen:

    1. Kann es sich in Anbetracht des faktischen Abrisses des Marktamtsgebäudes um einen „Umbau“ handeln?
    2. Bisher wurden keine Pläne des geplanten Bauwerks veröffentlicht. Wie hoch dürfte dieses Bauwerk nach geltenden Vorschriften werden bzw. gibt es eine diesbezügliche Baubewilligung? Die betreffende Fläche ist derzeit als „Sondergebiet Markt“ gewidmet, der Bebauungsplan erlaubt nur Gebäude mit einer Traufenhöhe von maximal 4,5 m.

    Vielen Dank im Voraus für Ihre Bemühungen in Zusammenhang mit meinem Anliegen

    mit freundlichen Grüßen
    Robert Poth

Reaktionen der MA 37 (29.10.2014 / 14.11.2014)

    Sehr geehrter Herr Poth!

    Die MA 37 hat Ihr Anliegen erhalten.

    Nach Prüfung des Inhaltes haben wir festgestellt, dass für Ihr Anliegen die Gebietsgruppe West (16., Spetterbrücke 4) zuständig ist und haben Ihr Anliegen bereits weitergeleitet.

    Mit freundlichen Grüßen
    Verena Sommer
    Magistrat der Stadt Wien
    Magistratsabteilung 37 – Baupolizei

    Sehr geehrter Herr Poth,

    Ihre Anfrage vom 28.10.2014, die bei der MA 37 – Baupolizei eingelangt ist, wurde an die für das Marktgebiet zuständige Magistratsabteilung 59 – Marktamt weitergeleitet, da h.a. für die betreffende Liegenschaft kein Bauansuchen anhängig ist.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dipl.-Ing. Pell
    Magistratsabteilung 37/GGr West
    Großvolumige Bauvorhaben

Damit hat sich bestätigt, dass das Marktamt das ehemalige Marktamtgebäude als fiktiven “Marktstand” behandelt, um sich und der Ottakringer Brauerei allfällige Probleme mit Flächenwidmung und Bebauungsplan zu ersparen. Für den Umbau eines Marktstandes benötigt man nämlich keine Baugenehmigung.

Reaktion der MA 59 (Marktamt), 21.11.2014

    Sehr geehrter Herr Poth!

    Die Magistratsabteilung 59 hat Ihr E-Mail vom 28.10.2014 gerichtet an die Magistratsabteilung 37 zur Beantwortung erhalten und kann folgendes mitteilen.

    Zuerst vielen Dank für Ihr Interesse am Geschehen auf dem Brunnenmarkt.

    Der Umbau bzw. die Neuadaptierung des alten Marktamtsgebäudes findet selbstverständlich unter Berücksichtigung aller behördlichen Auflagen statt, wobei wie in Ihrem E-Mail angeführt bei dem adaptierten Baukörper die Bauhöhe auch entsprechend der dort festgelegten Widmung ausgeführt werden wird.

    Wir hoffen mit diesem neuen Angebot die Attraktivität des Brunnenmarktes bzw. des Yppenplatzes weiter zu erhöhen und eine Steigerung der BesucherInnenfrequenz herbei führen zu können.

    Die Magistratsabteilung 59 hofft Ihnen mit dieser Auskunft behilflich gewesen zu sein und verbleibt

    Mit freundlichen Grüßen
    Michael Horak
    Magistratsabteilung 59

Ungefähr so etwas hatte ich erwartet, aber ich hätte gern gewusst, wie das Marktamt seine Pläne verteidigt. Also habe ich mittels Kontaktformular am 11. Dezember 2014 folgende Anfrage direkt an das Marktamt gerichtet:

    Per E-Mail vom 21. 11. 2014, mit Absender Michael Horak, Magistratsabteilung 59, Am Modenapark 1-2, wurde mir u.a. folgende Information übermittelt (Zitat):

    “Der Umbau bzw. die Neuadaptierung des alten Marktamtsgebäudes findet selbstverständlich unter Berücksichtigung aller behördlichen Auflagen statt, wobei wie in Ihrem E-Mail angeführt bei dem adaptierten Baukörper die Bauhöhe auch entsprechend der dort festgelegten Widmung ausgeführt werden wird.”

    Mittlerweile (11. 12. 2014) ist das neue Gebäude im Rohbau fertiggestellt und es ist mit freiem Auge zu erkennen, dass die Traufhöhe des Gebäudes weit mehr beträgt als die vom Bebauungsplan vorgeschriebenen max. 4,5 m (geschätzt mehr als 6 m).

    Die Tatsachen scheinen also der mir von Ihnen übermittelten Information zu widersprechen. Ich wäre Ihnen für eine diesbezügliche Aufklärung dankbar.

    Darüber hinaus heißt es in Ihrer E-Mail, die MA 59 wolle “die Attraktivität des Brunnenmarktes bzw. des Yppenplatzes weiter (…) erhöhen und eine Steigerung der BesucherInnenfrequenz herbeiführen”.

    Dazu möchte ich anmerken, dass es sich bei dem voraussichtlichen zentralen Angebot im “Flagship-Store” der Ottakringer-Marke Brauwerk Wien um hochpreisige Biersorten handelt, die derzeit um ca. 5,8 Euro pro 0,3 Liter im Gastgewerbe erhältlich sind.

    Persönlich möchte ich dazu anmerken, dass sich die “Attraktivität” meines Wohnviertels derart ganz und gar nicht erhöht, weil ich mir derart teure Biere nicht leisten kann und will. Analoges trifft auch auf das kulinarische Angebot des bereits auf dem Marktgebiet bestehenden Restaurants “AN-DO Fisch” zu.

    Beide diese gastronomischen Angebote richten sich offensichtlich an eine gehobene Mittelschicht (vulgo “Bobos”) – etwa dieselbe soziale Schicht, die es sich leisten kann, die immer zahlreicheren im Yppenviertel von privaten Hauseigentümern und Immobilienfirmen errichteten Dachbodenwohnungen in Eigentum zu erwerben.

    Zweifellos ist aus Sicht privater Investoren die genannte soziale Schicht aus rein geschäftlichen Überlegungen eine “natürliche” Zielgruppe.

    Es ist mir jedoch nicht nachvollziehbar, aus welchen Gründen wie im Fall des “Flagship-Stores” noch dazu Steuergelder dafür aufgewendet werden, die “Attraktivität” eines Viertels für diesen Personenkreis zu erhöhen und sie gleichzeitig für weniger betuchte Schichten zu verringern. Ein öffentliches Interesse an solchen Schritten lässt sich nicht erkennen, und sie entsprechen schon gar nicht dem, was von einer sozialdemokratischen Stadtverwaltung erwartet werden könnte.

    Vielen Dank für Ihre Reaktion im Voraus

    Robert Poth

Auf diese Anfrage per Kontaktformular hat die MA 59 nicht mehr reagiert. Entweder es fiel den Verantwortlichen nichts dazu ein oder es ist Gepflogenheit des Marktamts, scheinbar renitente BürgerInnen zu ignorieren …

Brunnen-/Yppenviertel: Potjomkin lässt grüßen

potjomkin
In Zusammenhang mit dem Yppen-/Brunnenviertel scheint ein medialer Filter zu existieren, der alles eliminiert oder schönfärbt, was einen negativen Eindruck hinterlassen könnte. Das entstehende Zerrbild nützt vielleicht den Geschäftstreibenden – sonst aber niemandem.

In der Gegend um Brunnenmarkt und Yppenplatz bestehen zumindest drei private Interessenkoalitionen – die lokale Gastronomie, die übrigen Gewerbetreibenden mit Gassenlokalen sowie die Immobilienbranche, die hier investiert hat, auf ihrem Trittbrett die lokalen Zinshaus- und WohnungseigentümerInnen. Alle drei Gruppen haben nur zwei Ziele: möglichst viel Kundschaft und möglichst hohe Preise. Vor allem Letzteres entspricht leider nicht den Interessen der Mehrheit der Menschen, die hier wohnen.

Dazu gesellt sich die Gemeinde- und Bezirksverwaltung, die sich mit ihrer Aufwertungsstrategie inkl. Wohnbauförderung ziemlich weit aus dem Fenster gelegt hat. Sie hat keine finanziellen Verluste zu befürchten (was hier investiert – m.E. zum Teil schlicht verpulvert – wird, sind Steuergelder), trägt aber das politische Risiko eines Misserfolgs. Dies übrigens zu Recht – sie verfolgt zuletzt wieder einen Top-Down-Ansatz, bei dem die lokale Bevölkerung nichts mitzureden hat (was übrigens logisch ist, wenn dieselbe ohnehin ausgetauscht werden soll – Stichwort “soziale Durchmischung”).
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Grätzel-Geschichte: Vertreibung der jüdischen Bevölkerung

Vor 76 Jahren, mit den Novemberpogromen von 1938, begann auch die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus dem Brunnen-/Yppenviertel, die für viele Betroffene mit der Ermordung in den Vernichtungslagern der Nazis endete. Dank vieler engagierter Menschen, in Behörden oder außerhalb, gibt es mittlerweile einige Gedenksteine und Gedenktafeln, die daran erinnern.

Hubergasse 8, Gedenktafel

Hubergasse 8, Gedenktafel

Einen Häuserblock vom Yppenplatz entfernt, in der Hubergasse 8, befand sich eine jüdische Synagoge, der so genannte “Hubertempel”, der im November 1938 bei von den Nazis inszenierten Pogromen restlos vernichtet wurde. Daran erinnert eine Gedenktafel an dem in den 1970er Jahren an derselben Stelle errichteten Wohnhaus.

Ottakringer Straße 35, Gedenkstein

Ottakringer Straße 35, Gedenkstein


Auf dem Gehsteig vor der Ottakringerstraße 35 befindet sich seit 2008 ein so genannter “Stein der Erinnerung” zum Gedenken an Kálman Klein und Elisabeth Klein, die in diesem Haus wohnten. Kálman Klein wurde 1942 deportiert und in Auschwitz ermordert; Elisabeth Klein wurde 1943 nach Auschwitz deportiert und im KZ Natzweiler ermordet. (Siehe www.steinedererinnerung.net, Projekte – Ottakring)

“Dichterhof” & Gedenktafel
An der Ecke Brunnengasse-Grundsteingasse steht heute ein Wohngebäude der Conwert-Immobiliengesellschaft (fertiggestellt Oktober 2008), das in Erinnerung an das hier bis 1938 bestehende Kaufhaus der jüdischen Familie Dichter “Dichterhof” benannt wurde. Eine Gedenktafel in der Grundsteingasse (siehe Bild) erklärt die Vorgeschichte. Das Kaufhaus wurde laut Darstellung in Adunka/Anderl (siehe Quellen etc. unten) “arisiert” (neuer Eigentümer Edmund Topolansky), 1951 nach Restitutionsverhandlungen an Oskar Seidenglanz verkauft und existierte bis 2004 als “Kaufhaus Osei”.

Gedenktafel Dichterhof

Gedenktafel Dichterhof

Ewigkeitsgasse / Frederic Morton
In der Thelemangasse 4 befand sich die Fabrik der Familie des Schriftstellers Frederic Morton, der hier als Fritz Mandelbaum geboren wurde und seine Kindheit und Jugend verbracht hat, bis er 1939 von den Nationalsozialisten vertrieben wurde. Seine Familie besaß die Häuser 2, 4, 6 und 8 in dieser Straße, die nicht länger als eben diese vier Häuser ist.

Thelemangasse 4

Thelemangasse 4


Auf Nummer 4 gibt es noch immer ein Firmenschild mit dem Namen “Frank Morton” (der angenommene Name von Frederic Mortons Vater, Franz Mandelbaum). Die Fabrik wurde jedoch von den Mortons/Mandelbaums nach 1945 an Herrn Mühlberger verkauft, von ihm bzw. dessen Sohn weiterbetrieben, aber 2008 (nach meinen Informationen) endgültig geschlossen (siehe Bild links).

Kunstraum Ewigkeitsgasse

Kunstraum Ewigkeitsgasse


In seinem Roman “Die Ewigkeitsgasse” (1984) gibt Frederic Morton u.a. die Geschichte von Hernals in dieser Zeit wieder. Er schildert darin den Aufstieg des kleinen Handwerkers (Berek Spiegelglas – ein literarisches Porträt des Großvaters des Autors) aus der k. u. k. Provinz zum angesehenen Fabrikanten und Hausbesitzer in Wien bis zu dessen Tod (1938 im Buch, tatsächlich 1936).

Gedenktafel Bethaus, Thelemangasse 8

Gedenktafel Bethaus, Thelemangasse 8


Gleich daneben, in der Thelemangasse 6, besteht heute die nach dem vorher erwähnten Romantitel benannte Initiative Kunstraum Ewigkeitsgasse, und am nächsten Haus, der Thelemangasse 8, erinnert eine Gedenktafel an das ehemals hier bestehende jüdische Bethaus, das nach Angaben Frederic Mortons von seinem Großvater, Bernhard Mandelbaum, gespendet wurde.

Edmund Eysler

Edmund Eysler


Am Haus Thelemangasse 8 gibt es außerdem eine Gedenktafel für Edmund Eysler (1874-1949), Operettenkomponist jüdischer Abstammung; diese Gedenktafel bestand aber bereits vor 1938, wurde während der NS-Zeit entfernt und 1949 wieder angebracht. Eysler musste auch nicht fliehen, sondern schaffte es, in Wien mit Hilfe von Verwandten und Freunden zu überleben.

Links, Quellen und Hinweise: Alle Fotos vom Autor; empfehlenswert u.a.:
Jüdisches Leben in der Wiener Vorstadt / Ottakring und Hernals, Evelyn Adunka u. Gabriele Anderl, Mandelbaum Verlag 2013; Geschichtespaziergang „Auf den Spuren jüdischen Lebens im Brunnenviertel in Wien-Ottakring“, Mag. Petra Stein, 2009

Übersichtskarte

Die wenigen existierenden Gedenktafeln/-steine vermitteln nicht die historische Realität; der jüdischstämmige Anteil an der lokalen Bevölkerung dürfte relativ hoch gewesen sein!

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