Rashomon am Yppenplatz II: Der Online-Baumkataster

Die Aufwertung des Yppen-/Brunnenviertels ist der Stadtverwaltung ein Anliegen und Millionen Euro wert (von unserem Geld). Für einen korrekten Online-Baumkataster reicht’s aber offenbar nicht.

Ich hab’s nicht so mit dem Stadtgartenamt, der MA 42. Zumindest was den Yppenpark und die nähere Umgebung betrifft. Warum, kann man unter Rashomon am Yppenplatz nachlesen. Das war 2012. Mein damaliger Eindruck: Die MA 42 weiß nicht so genau, was da mit den von ihr gepflanzten Bäumen passiert. Was sie natürlich bestreitet.

Jetzt hab’ ich das Stadtgartenamt aber erwischt, und diesmal gibt’s keine Ausreden und Ausflüchte: Der Online-Baumkataster der Stadt Wien, für den die MA 42 verantwortlich zeichnet, integriert in den offiziellen Stadtplan im Web, ist nämlich aus lokaler Sicht ein Mist – abgesehen von sonstigem Unsinn.

Wieso ein Mist? Nun, davon kann sich jede und jeder selbst überzeugen.

Beispiel 1: Die Silberlinden auf der Piazza.
Die berühmte “Piazza”, Herzstück der Gentrifizierung qua Aufwertung der Gastronomie (je teurer, desto besser), wurde im Zuge der Umgestaltung des Brunnenmarkts und des Yppenplatzes 1999 geschaffen. Zwecks Beschattung der Asphalt- und Pflastersteinwüste wurden sechs Silberlinden gepflanzt. Wunderbar.

piazza_linden6Mal sehen, was die MA 42 darüber weiß. Also Stadtplan aufrufen, Baumkataster anhaken, Adresse eingeben, einzoomen, na da sind sie ja schon, die sechs Silberlinden. Und jetzt wird’s lustig. Klick auf Nr. 1 – Pflanzjahr: 2004. Na sicher nicht. Nr. 2: 1977. Na das schon gar nicht! Nr. 3: 2001. Na sowas. Nr. 4: Pflanzjahr: 1977 – schon wieder, tztztz. Nr. 5: 2000. Na das kommt ja schon fast hin. Nr. 6: 1977, meine Güte (siehe Screenshots, bitte Bild rechts anklicken!).

Grotesk. Wer hat diese Jahre in die Datenbank eingegeben? Alle wurden 1999 gepflanzt.

Hier lässt sich das gleich online überprüfen – vielleicht hat sich ja inzwischen etwas geändert:

Beispiel 2: Die Bäume am Yppenplatz.
Im Yppenpark wurde 2010 im Rahmen der abgefeierten und EU-subventionierten Umgestaltung, die zweite innerhalb von etwas mehr als zehn Jahren, ein ganzer Haufen Jungbäume gepflanzt. Mit den Pflanzjahren sollte es da kein Problem geben, denn die Stadt Wien versichert: “Ab 2006 ist das genaue Pflanzjahr bekannt.”

Who's done it?

Who’s done it?

Drei davon mussten leider inzwischen schon ersetzt werden, wie da wären: ein Ahorn neben der öffentlichen Toilette, der ist einfach eingegangen, eine Linde beim Kinderspielplatz, die wurde 2012 beim Sandaustauschen von einem LKW-Fahrer umgehackt (was laut MA 42 gar nicht passiert ist; dafür soll vielmehr der asiatische Bockkäfer verantwortlich gewesen sein) und zuletzt eine Säulenblasenesche beim Fußballkäfig, der plötzlich die Hälfte der Krone abbrach (siehe Foto – war’s der Wind, waren’s böse Buben, ist am Yppenplatz schwer zu sagen, vielleicht befindet sich genau hier eine Schnittstelle zu einem Paralleluniversum).

Wo der Ahorn war, steht nun ein Toringo-Apfelbaum, stimmt; statt der Linde ein Ahorn, stimmt auch, und statt der Säulenblasenesche eine Linde. Toll. Bei den ersten beiden steht: „Pflanzjahr unbekannt“. Liebe MA 42, das war jeweils 2012. Immerhin, bei der Linde steht: „Pflanzjahr: 2013“. Korrekt.

Aber es ist kaum zu glauben: Das ist der einzige Baum am ganzen Yppenplatz mit einem bekannten Pflanzjahr! Von den doppelreihig gepflanzten Linden über Birnen bis zu Blaseneschen und Baumhasel: Die MA 42 hat zumindest laut Baumkataster keine Ahnung, wann sie die eingesetzt hat. Dabei muss das ja großteils sogar mit der EU verrechnet worden sein.

Zwecks Kontrolle klicke ich dann noch die jungen Gingkos an, die im Rahmen der Umgestaltung der Ottakringer Straße gepflanzt wurden. Siehe da: 2013 – korrekt! Das Verhältnis der MA 42 zum Yppenplatz muss ein besonderes sein.

Nebenbei zu noch einem skurrilen Unsinn. Junge Bäume werden im Kataster zumeist mit folgenden absurden Angaben versehen: Kronendurchmesser – 3m; Baumhöhe – 1m. Das ist kein Zufall, sondern hat Methode, wie Tests anderswo in Wien ergeben. Auch bei den erwähnten hochaufstrebenden Gingkos steht derselbe Schmarrn: 1m hoch, 3m breit. Wenn schon, dann wär’s wohl umgekehrt sinnvoller, aber das scheint niemandem in der MA 42 zu kümmern. Vielleicht finden sie’s auch gut so. Ich traue ihnen das zu.

Schließlich zum letzten Manko. Laut Website der Stadt Wien werden sämtliche Laubbäume nach Vitalitätsstufen klassifiziert – von 0 („sehr gesund“) bis 3 („schlecht“).

Leider sind diese Daten im Online-Baumkataster nicht erfasst. Fragt sich, warum. Wäre bloß eine zusätzliche Zeile.

Kleine Verschwörungstheorie gefällig? Nicht dass ich das der MA 42 wirklich unterstellen will. Aber es könnte ja der Verdacht geschöpft werden, dass die Vitalitätsstufe deshalb nicht angegeben wird, damit es einfacher ist, Bäume auf öffentlichem Grund, die z.B. als geschäftsstörend empfunden werden, gegen eine Privatspende entfernen zu lassen. Die betreffenden Bäume waren leider “von xy befallen” oder sonstwie eine Gefahrenquelle “und mussten entfernt werden”, könnte es dann danach heißen. Das ginge allerdings auch mit scheinbar gesunden Exemplaren, insofern ist meine Verschwörungstheorie nicht ganz überzeugend (da ist sie aber nicht die einzige). Sicher scheint bloß: Das Stadtgartenamt hat per definitionem recht, und Widerspruch ist zwecklos. Siehe Rashomon am Yppenplatz.

Noch was zu den Silberlinden auf der Piazza. Mittlerweile zeigen drei Exemplare, die westlicheren, Krankheitsanzeichen, die sich von Jahr zu Jahr verschlimmern – ganze Äste und Kronenteile trocknen aus und treiben bereits nicht mehr. Zu den Ursachen kursiert vor allem eine Theorie: Wassermangel. (Falls im Yppenpark etwas nicht ordentlich wächst, muss stets der Schutzbunker unter dem Park als Sündenbock herhalten. Das geht auf der Piazza natürlich nicht.)

Ich favorisiere eine andere Theorie. Ich glaube eher, die MA 48 (für Abfall, Straßenreinigung etc. zuständig) ist schuld, oder eigentlich die MA 59 (das Marktamt). Weil im Winter eine Unmenge von Salz/Salzlösung gestreut wird, um die Piazza – offiziell „Marktgebiet“ – schnee- und eisfrei zu bekommen. Davon sind in erster Linie die drei Problemlinden betroffen, die anderen kaum. Bei Grünflächen ist ja ein Abstand von 10 Metern einzuhalten, aber a) ist das keine Grünfläche und b) ginge das schon aus rein praktischen Gründen nicht.

Das geschieht in der Regel weit nach Mitternacht, und mit geschätzten 90 Dezibel. Dass die Gerätschaften der MA 48 so laut sind, ist ja schon schlimm genug. Schlimmer noch ist aber, dass auch dann geräumt und gestreut wird, wenn es Plusgrade hat und der so genannte „Schnee“ sich spätestens bis zum nächsten Morgen ganz von alleine in Wasser verwandelt hätte.

Was die MA 42 zu alldem zu sagen hat, werde ich per E-Mail-Anfrage zu klären versuchen, und zwar wie folgt (die Antwort kam bereits am 10. April und ist nach der Anfrage zu lesen):

Sehr geehrte MA 42,

ich hätte gerne Auskunft zu den folgenden Fragen insbesondere betreffend den Online-Baumkataster:

1. Auf der “Piazza” am Brunnenmarkt, Ecke Payergasse/Brunnengasse stehen sechs Silberlinden. Wie kommt es zu den merkwürdigen Pflanzjahren dieser Bäume, die dem Baumkataster zu entnehmen sind (1977, 2000, 2001, 2004)?

2. Am Yppenplatz wurden in den letzten Jahren zahlreiche Jungbäume gepflanzt, zuletzt im Rahmen einer EU-subventionierten Umgestaltung im Jahr 2010. Wie lässt sich erklären, dass bis auf eine einzige Ausnahme bei allen der ca. 40 oder 41 Bäume am Yppenplatz im Kataster angeführt ist: “Pflanzjahr unbekannt”? Laut Website der Stadt Wien ist angeblich “ab 2006 das genaue Pflanzjahr bekannt”.

3. Bei jungen Bäumen sind dem Baumkataster quer durchs gesamte Stadtgebiet zumeist folgende Angaben zu entnehmen: Kronendurchmesser: 3m Baumhöhe: 1m. Welche Gründe haben die MA 42 dazu bewogen, offenbar routinemäßig unmögliche und absurde Daten in den Kataster einzugeben?

4. Laut Website der Stadt Wien werden alle Bäume im Baumkataster anhand einer vierstufigen Vitalitätsskala eingestuft. Warum sind diese Vitalitätsstufen nicht im Online-Baumkataster angegeben?

5. Der Zustand von drei der sechs anfangs erwähnten Silberlinden auf der Piazza verschlechtert sich seit Jahren in erschreckendem Ausmaß (Baumnummern 7, 8 und 11). Welcher Vitalitätsstufe sind diese Linden zugeordnet, welche Gründe könnten nach Ansicht der MA 42 für diese Verschlechterung maßgeblich sein und gibt es aus Sicht der MA 42 noch eine Chance, diese Silberlinden zu retten?

Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus

Mit freundlichen Grüßen

Robert Poth

Und hier die Antwort (Grammatikfehler habe ich ausgebessert):

Sehr geehrter Hr.Poth

Danke für Ihren Hinweis.
Da noch nicht alle Bäume vollerfasst sind kann es z.Z. noch zu Informationslücken kommen. Wir werden die Daten in nächster Zeit ergänzen.
Der schlechte Zustand der Linden ist auf Stress als Folge eines Extremstandortes zurückzuführen. Eine Verbesserung kann durch gärtnerische Maßnahmen leider nur bedingt erzielt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Günter Berger
Dezernat 6, Referat Baumsicherheit- u.pflege
1010 Wien, Am Stadtpark 2

Kommentar: Wie sofort zu erkennen, wurden meine Fragen 1, 3 und 4 schlichtweg ignoriert. Verständlich, weil peinlich, andererseits: Gerade das wäre ja lustig gewesen. Immerhin lässt sich in Zukunft feststellen, was die MA 42 unter “in nächster Zeit” versteht …

“Hernalser”: Symbolträchtiger Turm

Der neue Büroturm am Hernalser Gürtel, der von den Bauherren “Hernalser” getauft wurde, eignet sich aus mehreren Gründen als Symbol der “Aufwertung”, die seit einigen Jahren im Yppen-/Brunnenviertel inszeniert wird. Das liegt natürlich einmal an seiner Sichtbarkeit – wobei sich bereits die Frage stellt, wie die Widmung für die realisierte Bauhöhe (45 m) zustande kam.

Jedenfalls ist schon allein dieser Umstand ein Ärgernis: Das Ding verschandelt mir einfach die Aussicht. Neben dem einen, noch sichtbaren der beiden fein strukturierten Türme der Breitenfelder Pfarrkirche (1898, “lombardische Frührenaissance”, unter Denkmalschutz) erhebt sich nunmehr ein grober Klotz; das Beste an ihm ist wohl, dass sich die untergehende Sonne von meiner Wohnung aus gesehen in den Fenstern spiegelt. [Mittlerweile eher der stattliche Fuchs, den ich am 30.11.2013 nachts in das (offene, da noch Baustelle) Erdgeschoss wechseln und dort stöbern gesehen habe …]

hernalser_plus_kirche1

Dass ich diesem Projekt nur wenig abgewinnen kann, liegt aber auch an anderen Gründen: Es entspricht fast perfekt der fehlgeleiteten Entwicklung des Immobilien- und Wohnungsmarkts in Wien in den letzten Jahren, Jahrzehnten eigentlich. Was in Wien immer mehr fehlt, ist erschwinglicher Wohnraum für sozial Schwache und NormalverdienerInnen; was früher vorhanden war – “Substandardwohnungen” – wurde durch diverse Sanierungs- und Aufwertungskampagnen der Stadtverwaltung weitgehend vernichtet.

Was durch den “Hernalser” geschaffen wird, sind im Wesentlichen nur Büroflächen. Die Eigentumswohnungen in den Stockwerken 9, 10 und 11 sind lediglich für eine äußerst kaufkräftige Klientel gedacht: ein – laut Werbeprospekt – “ideales Zuhause für urbane Freigeister”, die über das nötige Kleingeld verfügen. Die Quadratmeterpreise (bezogen auf die Wohnfläche) beginnen bei ca. 5.500 Euro; im Dachgeschoss sind wir bei weit über 8.000 Euro (Details siehe u.a. unter www.piment.at).

Dass mit dem Büroturm “Kaufkraft” ins Viertel geschleust wird, dürfte wohl stimmen; allerdings werden davon allenfalls ein paar Gewerbetreibende profitieren (übrigens ein Nullsummenspiel auf Wiener Ebene – die Kaufkraft wird woanders abgezogen). Der Rest der AnrainerInnen wird davon bestenfalls vorerst nichts bemerken, mittelfristig wird das Leben hier aber teurer werden – durch höhere Preise oder durch eine Verdrängung vorhandener Geschäfte/Betriebe zugunsten einer betrieblichen Infrastruktur, die dem Bedarf der neu Zugezogenen entspricht. Eine klassische Entwicklung. Bei wem sollen wir AnrainerInnen uns dafür bedanken?

Rashomon am Yppenplatz

Schwank in drei Akten. Hauptakteure: die Gemeinde Wien und das Stadtgartenamt. In den Nebenrollen: Paulownien, asiatische Bockkäfer und die BürgerInnenbeteiligung.
Entstehungszeitpunkt: Herbst 2012.

1. Akt
Ort des Geschehens: Der Yppenplatz in Neulerchenfeld, Ottakring, Wien 16, der bereits Ende der 90er Jahre einer Umgestaltung unterzogen wurde. 2010 ist es wieder so weit. Wien schenkt seinen BürgerInnen einen moderneren, grüneren Park, finanziert mit Steuergeldern – 50% davon, 352.170 Euro, aus dem EU-Programm “Regionale Wettbewerbsfähigkeit und integrative Stadtentwicklung”. (Näheres dazu im leider vergriffenen Handbuch “Österreich als Nettozahler: Wie man sich das Geld wieder zurückholt”.)

Die Schenkung war dringendst erforderlich, denn der Platz war “aufgrund seiner hohen Nutzungsfrequenz unterschiedlichster Interessensgruppen … zuletzt stark abgenutzt”, wie es auf der Website der Stadt Wien dazu heißt, und wurde deshalb “im Rahmen eines BürgerInnenbeteiligungsverfahrens gemeinsam mit den Anrainerinnen und Anrainern” umgestaltet.

Für die nicht so Ortskundigen

Für die nicht so Ortskundigen

Das muss natürlich gefeiert werden. Die Eröffnung im Juni 2010 ist von einem enormen Tam-Tam begleitet, woran nicht ganz unschuldig sein dürfte, dass gerade Vorwahlzeit ist. Als Zeremonienmeisterin betätigt sich die zuständige Stadträtin höchstpersönlich. Der Yppenpark präsentiere sich nun “moderner und grüner”, es gebe “vitale Jungbäume”, und durch die neue Begrünung mittels zweier Pergolen werde die Mitte des Platzes beschattet.

Davon ist natürlich noch nichts zu bemerken. Die Sonne brennt auf alle Anwesenden herunter. Auffällig ist in erster Linie die farbliche Gestaltung des Bodens. Es gibt jetzt violette und blaue Zonen.

Das stört mich aber alles kaum. Was mich schon irritiert, ist die Sache mit der BürgerInnenbeteiligung. Wieso wusste ich nichts davon? Immerhin wohne ich ja dort, sogar am Yppenplatz Nr. 1. Jeden Tag sehe ich auf den Platz hinunter. Viel mehr Anrainer kann mensch ja nicht sein, oder? Außerdem hätte ich da schon gerne was dazu gesagt.

Plan des Umgestaltungskonzepts

Plan des Umgestaltungskonzepts

Wie mich ein bezirkspolitisch aktiver Bekannter aufklärt, nimmt die SPÖ das mit der BürgerInnenbeteiligung nicht immer so genau. In manchen Fällen, eben auch in diesem, müssten halt ein paar ParteigenossInnen, etwa von den Kinderfreunden (Platzbetreuung), als AnrainerInnen herhalten. Das wär’s dann.

Aha, so ist das. Ähnliches hatte ich schon befürchtet. Denn es wollte mir einfach nicht gelingen, auf den Internetseiten der Stadt Wien eine verbindliche Definition von “BürgerInnenbeteiligung” zu finden.

2. Akt
Rückblende: Ende der 1990er Jahre wird der Yppenplatz zum ersten Mal umgestaltet, damals immerhin mit etwas mehr Beteiligung der lokalen Bevölkerung. Meine Begeisterung hielt sich wegen der begleitenden Verluste dennoch in Grenzen. Die da wären: Ein schönes Sanddornbäumchen in der Mitte des Platzes (ersetzt durch eine Asphaltdecke), die prächtig blühenden Holunderbüsche am Zaun an der Westseite (ersatzlos gerodet; Büsche sind eine unerträgliche Gefahr für Frauen und Mädchen) und eine völlig gesunde, gelb blühende Blasenesche (ebenfalls ersatzlos gestrichen).

Die Blasenesche musste offenbar weichen, da der letzte der neuen Marktstände an der Nordzeile – die alten wurden allesamt abgerissen – um keinen Meter schmäler sein durfte als die anderen. Wahrscheinlich hatte das zuständige Marktamt den prospektiven Stand schon vermietet, und was ist schon ein Baum gegen diesen Einnahmenentgang. Zudem war sie etwas schief gewachsen – unerhört, was sich die Bäume herausnehmen. Andererseits handelt es sich um ein untrügliches Indiz dafür, wie achtlos frühere Stadtverwaltungen mit dem Baumbestand umgingen. Unter einem modernen und verantwortungsbewussten Stadtgartenamt hätte es diesen Baum erst gar nicht gegeben.

Letztlich konnte auch eine zeitweilige Baumbesetzung, sprich Erkletterung, nichts mehr an ihrem Schicksal ändern. An derselben waren übrigens mindestens zwei (mir gut bekannte) Menschen beteiligt, die sich noch dazu offensichtlich zu diesem Zweck verabredet hatten – also ein klarer Fall von OK. Ein Glück, dass das damals niemandem aufgefallen ist. Aber vielleicht gilt das ja nur für TierschützerInnen.

Ein alter Trompetenbaum musste wenige Jahre später auch noch entsorgt werden. Alles in allem war seit der Umgestaltung Nr. 1 doch ein empfindlicher Rückgang der lokalen Artenvielfalt zu beklagen, Vögel inklusive (keine Büsche mehr).

Immerhin gab es einen Lichtblick in Gestalt eines Blauglockenbaums (Paulownie), der in der Nähe der öffentlichen Toilette gesetzt wurde. Der wuchs wunderbar, mit arttypisch ausladenden Ästen und großen Blättern. Dann ließ das Stadtgartenamt (MA 42) die Stammstützen entfernen. Offenbar zu früh: Nicht lange darauf wurde er Opfer einer Windböe; der Stamm brach wenige Zentimeter über dem Boden glatt ab. Doch die MA 42 blieb beharrlich und setzte wieder einen Blauglockenbaum, am selben Ort. Auch der entwickelte sich großartig.

3. Akt
Wir schreiben wieder 2009/2010. Die Umgestaltung Nr. 2 ist im Gange. Mit einigem Befremden beobachte ich, wie Beauftragte des Stadtgartenamts die Paulownie Nr. 2 samt Wurzelstock ausgraben. Später wird sie in der Nähe des Fußballkäfigs wieder eingesetzt. Dort gibt sie nach kurzer Zeit den Geist auf.

Das war vor der Eröffnung. Vielleicht ein Omen, denn seither mehren sich die Anzeichen, dass das neue Konzept unter einem schlechten Stern geboren wurde. Etwa dort, wo bisher die Paulownie gedieh, wurden zwei neue Bäume – Ahornarten offenbar – gesetzt. Einer davon verkümmerte bereits 2011 und wurde ersetzt (durch wieder eine andere Baumart); auch der zweite, größere, sieht nach drei Saisonen – 2010, 2011, 2012 – ziemlich krank aus. Die Unterpflanzung unter den im Süden in Zweierreihen neu gesetzten Linden ist gescheitert, die Kletterpflanzen an den Pergolen kommen nicht wirklich hoch (von Beschattung kann keine Rede sein), und 2011 wurde ein weiterer “vitaler Jungbaum” Opfer eines Betriebsunfalls: Neuer Sand für den Sandkasten wird angeliefert, ein 4m-Bäumchen steht im Weg, an dem man mit der Kranschaufel einfach nicht vorbeikommt, knirsch, knacks, abgehackt in 2m Höhe.

Anfang Oktober 2012

Anfang Oktober 2012

So wird das nichts, denke ich mir. Die Gründe für das Scheitern liegen auf der Hand: Weder die Unterpflanzen bei den Linden noch die Kletterpflanzen an den Pergolen sind ausreichend geschützt (siehe Bilder). Hier wird u.a. Fußball gespielt, auch außerhalb des Fußballkäfigs, da es glücklicherweise mehr Kinder in der Gegend gibt als spielenderweise in den Käfig passen, und es gibt einen Haufen Vierbeiner mit einer Vorliebe für vertikal ausgerichtete Notdurftplätze, die in Wien schon größere Bäume erledigt haben. Schließlich fühlen sich einige Baumarten an ihren Standorten offensichtlich nicht wohl.

Nachdem ich leider nicht an der BürgerInnenbeteiligung beteiligt wurde, nehme ich nun die allen offenstehende Möglichkeit der Mitgestaltung in Anspruch: Ich wende mich an den Bürgerdienst der Stadt Wien und fordere “entschlossenere und zielorientiertere Schritte zur Begrünung und Beschattung des Yppenparks”, darunter der Vorschlag, es doch wieder mit Blauglockenbäumen zu versuchen (nebst Hinweis auf den bisherigen Erfolg).

Ende August 2012

Ende August 2012


Mitte Oktober 2012 erhalte ich die Antwort des Stadtgartenamts, per E-Mail via Bürgerdienst.

1. Zum Betriebsunfall bei der Sandlieferung: “Betreffend des entfernten Jungbaumes kann berichtet werden, dass dieser mit dem asiatischen Bockkäfer befallen war und daher so rasch wie möglich entfernt werden musste.

2. Zum Blauglockenbaum: “Der von Ihnen priorisierte Blauglockenbaum erfüllt nur teilweise die Anforderungen an einen Stadtbaum – dessen Jungbäume sind nicht ausreichend frostsicher – sein Holz ist leicht windbrüchig und wird daher in stark frequentierten Bereichen nicht mehr verwendet.

Das darf ja wohl nicht wahr sein. Der Baum, der versehentlich umgehackt wurde, hätte also ohnhin entfernt werden müssen?

Dann war wohl göttliche Vorsehung im Spiel, als der LKW-Lenker mit den Kranhebeln hantierte. Oder vielleicht gab’s einen Anruf: “Sagen Sie mal, Herr Mlinkovic, kennen Sie den asiatischen Bockkäfer? Nein? Egal, vergessen Sie’s. Aber Sie liefern ja heute den neuen Sand am Yppenplatz, oder? Da steht da ein Baum im Weg, Sie werden’s schon sehen. Wär ganz praktisch, wenn Sie da ein bisschen ankommen würden mit der Kranschaufel. Nein, natürlich nicht ein bisschen, schon ordentlich. Ja, genau. Nein, nein, geht alles in Ordnung.”

So war es aber wohl nicht. Asatische Bockkäfer (die wirklich gefährlich sind) befallen in erster Linie Ahorn, Pappel, Weide, Esche, Rosskastanie und Apfel, wie meine Recherchen ergeben; der von der MA 42 entsorgte Baum war das von mir erwähnte verkümmerte Exemplar der Ahornart, und den Betriebsunfall wollte die MA 42 offenbar nicht zugeben, warum auch immer.

Und die Paulownie wird “an stark frequentierten Bereichen” nicht mehr verwendet?

Das muss eine ganz neue Vorgabe sein. 2010 kann sie jedenfalls nicht gegolten haben, denn wie oben beschrieben wurde die Paulownie Nr. 2 sogar von einem eher ruhigen Platz zu einem weit stärker frequentierten versetzt. Und abgesehen davon, dass beide Bäume den Winterfrost schadlos überstanden hatten: Wenn die leichte Windbrüchigkeit des Holzes bekannt ist, warum wurden dann die Stammstützen der Paulownie Nr. 1 so früh entfernt? (Sofern ich das nicht halluziniert habe, denn die beiden Blauglockenbäume gab’s ja gar nicht – laut MA 42 jedenfalls.)

Wie dem auch sei. Die MA 42 sieht sich selbst jedenfalls als ohne Fehl und Tadel. Zugegeben wird allein, dass die Unterpflanzung unter den im Süden in Zweierreihen neu gesetzten Linden gescheitert ist, ebenso wie bisher die Begrünung der westlichen Pergola, was ich in meinem Schreiben erwähnt hatte. Aber schuld daran waren der Nutzerdruck und Vandalismus: “Trotz Absperrung konnte die Unterpflanzung in den Baumscheiben dem Nutzerdruck nicht standhalten. Auch die erste Begrünung der Pergola mit Klettergehölzen, die unter normalen Bedingungen 2-3 Meter Jahreszuwachs haben, ist aufgrund Vandalismus gescheitert.

“Vandalismus” gab es wirklich, allerdings nur an einer der vier “berankten” Stützen der westlichen Pergola. Das Hauptproblem sind die verwendeten Absperrungen, die einfach wirkungslos sind. Der “Nutzerdruck” ist hier so vorhersehbar wie Wildbiss im Wald, aber dort bringt jeder Forstwirt Gitterhüllen an den Jungbäumen an. Schon einfache Drahtgitter wären effektiver.

Wie weitere Recherchen ergeben, verfügt das Stadtgartenamt offenbar nicht über geeignete Schutzgitter. Zumindest sind sie im Parkleitbild der Stadt Wien nicht vorgesehen. Was die Sache auch nicht besser macht.

Ich habe jedenfalls beschlossen, den Bürgerdienst der Stadt Wien nicht mehr zu belästigen – jedenfalls wenn es um botanische Themen geht. Zudem brauche ich mir ohnehin keine Sorgen um den Yppenpark zu machen, denn es gibt ja Alternativen, auf die mich das Stadtgartenamt freundlich aufmerksam macht:

Da es am Yppenplatz in den Sommermonaten kaum schattige Bereiche gibt, darf ich ihnen den nahe gelegenen Huberpark empfehlen. Dort gibt es genügend Bänke im Schatten von Großgehölzen.