This is the end my friend …

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Nun ist es soweit: Am 17.2.2015 haben es Marktamt, die Bezirksverwaltung Ottakring und die Gemeinde Wien in Kooperation mit der Ottakringer Brauerei geschafft, das nach dem Abriss des Marktamtgebäudes letzte alte Bauwerk am Yppenplatz zu beseitigen: die rund um die Uhr geöffnete WC-Anlage.

Beginn des Abrisses


WC-Anlage, errichtet von Wilhelm Beetz 1910


Die bisherige öffentliche WC-Anlage, die es vielleicht sogar verdient hätte, unter Denkmalschutz zu stehen (zum Vergleich die denkmalgeschützte, von Wilhelm Beetz 1910 errichtete WC-Anlage am Richard-Wagner-Platz, Bild links), passte nicht zu den offiziellen Plänen: Das Marktamtgebäude am Yppenplatz 4 wurde ohne öffentliche Debatte privatisiert, faktisch abgerissen und in einen ziemlich groß geratenen “Marktstand” verwandelt, in dem die Ottakringer Brauerei in Zukunft ihre neuen hochpreisigen Biere der Marke Brauwerk Wien feilbieten wird. Die alte WC-Anlage stand diesen Absichten offenbar im Wege.

Warum das der Fall war und aus welchen Gründen ein derart hohes öffentliches Interesse am Verkauf von sündteurem Bier exakt an diesem Standort besteht, dass die Gemeinde insgesamt sage und schreibe 1,5 Millionen Euro (siehe Es kommt Bewegung in den Yppenplatz, meinbezirk.at) an Steuergeldern dafür aufwendet, werden wir staunende UntertanInnen allenfalls im Frühjahr erfahren. Dann, etwa sechs Monate nach dem Baubeginn, wird sich dem Vernehmen nach eine ausgewählte lokale Politprominenz dazu herablassen, zu erklären, was das alles eigentlich soll – flankiert von VertreterInnen der Ottakringer Brauerei, wie anzunehmen ist. Die Begründung eines öffentlichen Interesses kann vernünftig betrachtet allerdings nicht gelingen (siehe Yppenmarkt: Sinnlose Subvention für Gastronomie).

Hinzu kommt noch, dass – abgesehen vom zweifelhaften Umgang mit öffentlichem Eigentum und öffentlichen Geldern – sogar fraglich ist, ob die Errichtung des “Marktstands” der Ottakringer Brauerei mit dem Baurecht in Einklang steht (siehe Flagship-Store Brauwerk Wien: Ein Grau- oder Schwarzbau?).

Dass im Zuge der bevorstehenden Gemeinderatswahlen irgendwelche Begeisterungsstürme über dieses demokratiepolitische Trauerspiel aufkommen, ist eher auszuschließen.

Ein Gedanke zu „This is the end my friend …

  1. Herzlichen Dank für diesen für uns so wichtigen Artikel über das historische WC am Yppenplatz. Es ist wirklich zum weinen. Wir haben uns erlaubt Ihren Artikel auf unserer Facebook-Seite zu veröfffentlichen, siehe: http://www.facebook.com/initiative.denkmalschutz. Falls Sie uns über weitere historische Kulturgüter berichten können, die gefährdet sind oder vor kurzem abgebrochen wurden, würden wir uns freuen,

    Markus Landerer
    Initiative Denkmalschutz

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