Yppenpark/Yppenplatz: Korrespondenz mit dem Magistrat

Seit Herbst 2012 habe ich etwas Korrespondenz mit diversen Abteilungen des Wiener Magistrats geführt – mit dem Stadtgartenamt (MA 42), dem Marktamt (MA 59), der scheinbar namenlosen MA 48 (Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark) und der Baupolizei (MA 37). Diese gibt’s hier zum Nachlesen …

Die drei Themen (Links):
Umgestaltung Yppenpark neu (Herbst 2012)
Online-Baumkataster und Silberlinden / Piazza (Mitte 2014)
Marktamtgebäude & Ottakringer (Herbst/Winter 2014)

Yppenpark, Umgestaltung 2010 & Beschattung

Anfrage über den Bürgerdienst der Stadt Wien, 13.10.2012. (Siehe Rashomon am Yppenplatz.)

    Umgestaltung Yppenplatz 2010 – Ergebnisse
    Auch zweieinhalb Wachstumsperioden nach der neuerlichen Umgestaltung des Yppenplatzes ist das Ergebnis im Hinblick auf Begrünung und Beschattung zweifellos ernüchternd (auf diese Aspekte beziehe ich mich hier, nicht auf andere, die ich positiver bewerte, etwa Sitzgelegenheiten).

    Die Beschattung des Platzes durch die beiden Pergolen bleibt ein Zukunftstraum. Während an der Pergola an der Ostseite (mit Glück) vielleicht in fünf Jahren mit etwas Schatten zu rechnen ist, sieht es an der Westseite katastrophal aus. Schon 2011 war offensichtlich, dass die dort gesetzten Kletterpflanzen nicht hochkommen; im Frühsommer 2012 wurde halbherzig „nachgebessert“, d.h. andere Kletterpflanzen per Schilf-/Bambusrohre an die Pergolaständer angelegt; auch das war ein Schlag ins Wasser, siehe Foto 1 (Anfang Oktober). Die Bodenpflanzen unter der neu angelegten Lindenreihe an der Südseite sind ebenfalls weitgehend ungeeignet, siehe Foto 2 (Ende August).

    Sonstige „Missgeschicke“: 2011 wurde ein neu gesetzter, gut gedeihender Baum bei der Lieferung neuen Sands für die Sandkiste von einem ungeschickten Mitarbeiter (Stadtgartenamt oder Auftragnehmer) in ca. 2 m Höhe abgehackt und im Folgejahr durch eine andere Baumart (warum?) ersetzt, die sich bisher als Kümmerling darstellt (Foto vorhanden); südlich der Toilettenanlage wurden 2010 zwei Bäume gesetzt, die sich dort offensichtlich nicht wohl fühlen – der erste verkümmerte bereits im ersten Jahr und wurde unterdessen durch eine andere Baumart, ein spärlich beblättertes, mitleiderregendes Exemplar ersetzt (Foto vorhanden), der zweite erleidet nun dasselbe Schicksal (siehe Foto 3, Ende August). Seltsamerweise wird genau auf die Baumart verzichtet, die sich an diesem Standort nachweislich wohl fühlt – eine Paulownia nämlich (eine äußerst schnellwüchsige Art mit ausladenden Ästen und großen Blättern, die genau das kann, was erforderlich ist: schnell für Schatten sorgen).

    Die Umsetzung der dort prächtig gedeihenden Paulownia war m.E. der schlimmste Schildbürgerstreich im Rahmen der Umgestaltung 2010, den ich leider nicht fotografisch dokumentiert habe. Es handelte sich um die zweite Paulownia am selben Standort. Die erste gedieh ebenfalls wunderbar,wurde aber Opfer einer Windböe (offenbar da die Stützen für den Stamm zu früh entfernt wurden – der Stamm brach nur Zentimeter über dem Boden glatt ab). Diese zweite Paulownia passte offenbar nicht ins neue „Konzept“ von 2010, wurde ausgegraben und an einen anderen Ort neben dem Fußballkäfig versetzt. Dort gab sie bald darauf den Geist auf und musste entsorgt werden.

    Bilanz bisher: Es gibt weniger Schatten als vor 2010, und das wird noch die nächsten zehn Jahre so bleiben, wenn nicht entschlossenere und zielorientiertere Maßnahmen ergriffen und weitere Schildbürgerstreiche vermieden werden. Zu solchen Maßnahmen möchte ich mit diesem Schreiben anregen.

    Robert Poth

Reaktion MA 42
Mitte Oktober 2012 erhalte ich die Antwort des Stadtgartenamts, per E-Mail via Bürgerdienst.

    Sehr geehrter Herr Poth!

    Danke für ihre ausführlichen Anregungen – seitens der MA 42 wird versucht die Ausgestaltung von Parkanlagen so nutzergerecht wie möglich auszuführen. Leider ist das aufgrund der vielen unterschiedlichen Bedürfnisse nicht immer möglich allen Anforderungen gerecht zu werden.

    Trotz Absperrung konnte die Unterpflanzung in den Baumscheiben, dem Nutzerdruck nicht standhalten. Auch die erste Begrünung der Pergola mit Klettergehölzen, die unter normalen Bedingungen 2-3 Meter Jahreszuwachs haben, ist aufgrund Vandalismus gescheitert.

    Die im Sommer nachgepflanzten Wisterien haben beste Baumschulqualität und werden im Laufe der nächsten Jahre die Pergola begrünen – sofern diese nicht erneut mutwillig angezündet, aus- oder abgerissen werden.
    Betreffend des entfernten Jungbaumes kann berichtet werden, dass dieser mit dem asiatischen Bockkäfer befallen war und daher so rasch wie möglich entfernt werden musste. Die am Yppenplatz im Frühjahr neu gepflanzten Bäume werden seitens der MA 42 intensiv betreut und regemäßig bewässert. Grundsätzlich benötigt ein Jungbaum 2-3 Jahre Anwuchspflege bis dieser einen ausreichenden Wurzelraum, für die Eigenversorgung, entwickelt hat. Entsprechend der Wurzelaktivität entwickelt sich auch die Krone der Bäume.

    Der von ihnen priorisierte Blauglockenbaum erfüllt nur teilweise die Anforderungen an einen Stadtbaum – dessen Jungbäume sind nicht ausreichend frostsicher – sein Holz ist leicht windbrüchig und wird daher in stark frequentierten Bereichen nicht mehr verwendet.

    Die im Park durchgeführten Maßnahmen sind für `Außenstehende `nicht immer nachvollziehbar, sind jedoch fachlich und sachlich begründbar. ( Spielrelationen, Pflege-, und Erhaltungsarbeiten, Parkbetreuungskonzept, Raum für Veranstaltungen, geringer Erdkörper durch Bunkerdecke…. )

    Sollten sie noch Fragen haben – bitte melden sie sich. Da es am Yppenplatz in den Sommermonaten kaum schattige Bereiche gibt, darf ich ihnen den nahe gelegenen Huberpark empfehlen. Dort gibt es genügend Bänke im Schatten von Großgehölzen.

    mit freundlichen Grüßen
    Ing. Bettina Hofbauer
    MA 42-Wiener Stadtgärten
    Gartenbezirk 5
    Nietzscheplatz 3
    1160 Wien

Online-Baumkataster Piazza, Silberlinden, Stadtgartenamt, Marktamt, MA 48

Anfrage über das Kontaktformular des Stadtgartenamts, 8.4.2014. (Siehe Rashomon am Yppenplatz II: Der Online-Baumkataster.)

    Sehr geehrte MA 42,
    ich hätte gerne Auskunft zu den folgenden Fragen betreffend insbesondere den Online-Baumkataster:

    1. Auf der „Piazza“ auf dem Brunnenmarkt, Ecke Payergasse/Brunnengasse stehen sechs Silberlinden. Wie kommt es zu den merkwürdigen Pflanzjahren dieser Bäume, die dem Baumkataster zu entnehmen sind (1977, 2000, 2001, 2004)?

    2. Am Yppenplatz wurden in den letzten Jahren zahlreiche Jungbäume gepflanzt, zuletzt im Rahmen einer EU-subventionierten Umgestaltung im Jahr 2010. Wie lässt sich erklären, dass bis auf eine einzige Ausnahme bei allen der ca. 40 oder 41 Bäume am Yppenplatz im Kataster angeführt ist: “Pflanzjahr unbekannt”? Laut Website der Stadt Wien ist angeblich “ab 2006 das genaue Pflanzjahr bekannt”.

    3. Bei jungen Bäumen sind dem Baumkataster quer durchs gesamte Stadtgebiet zumeist folgende Angaben zu entnehmen: Kronendurchmesser: 3m Baumhöhe: 1m. Welche Gründe haben die MA 42 dazu bewogen, offenbar routinemäßig unmögliche und absurde Daten in den Kataster einzugeben?

    4. Laut Website der Stadt Wien werden alle Bäume im Baumkataster anhand einer vierstufigen Vitalitätsskala eingestuft. Warum sind diese Vitalitätsstufen nicht im Online-Baumkataster angegeben?

    5. Der Zustand von drei der sechs anfangs erwähnten Silberlinden auf der Piazza verschlechtert sich seit Jahren in erschreckendem Ausmaß (Baumnummern 7, 8 und 11). Welcher Vitalitätsstufe sind diese Linden zugeordnet, welche Gründe könnten nach Ansicht der MA 42 für diese Verschlechterung maßgeblich sein und gibt es aus Sicht der MA 42 noch eine Chance, diese Silberlinden zu retten?

    Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus
    Mit freundlichen Grüßen
    Robert Poth

Reaktion MA 42, 10.4.2014

    Sehr geehrter Hr.Poth

    Danke für Ihren Hinweis.

    Da noch nicht alle Bäume vollerfasst sind kann es z.Z. noch zu Informationslücken kommen. Wir werden die Daten in nächster Zeit ergänzen.

    Der schlechte Zustand der Linden ist aufgrund von Stress als Folge eines Extremstandortes zurückzuführen. Eine Verbesserung kann durch gärtnerischen Maßnahmen leider nur bedingt erzielt werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Berger
    Dezernat 6, Referat Baumsicherheit- u. -pflege

Mit diesen leider etwas spärlichen Informationen wende ich mich am 10.4.2014 an das meiner Meinung nach zuständige Marktamt, die MA 59:

    Betreff: Salzstreuung Piazza Brunnenmarkt
    Anliegen:
    Im Rahmen der Umgestaltung des Brunnenmarkts wurden 1999 auf der „Piazza“ Ecke Brunnengasse/Payergasse sechs Silberlinden gepflanzt. Es handelt sich um ein Marktgebiet („SO Markt“). Die drei westlichen Silberlinden zeigen seit Jahren immer stärkere Krankheitsanzeichen und sind existenziell gefährdet.

    Das Stadtgartenamt meint dazu (Zitat): „Der schlechte Zustand der Linden ist aufgrund von Stress als Folge eines Extremstandortes zurückzuführen. Eine Verbesserung kann durch gärtnerischen Maßnahmen leider nur bedingt erzielt werden.“

    Meiner Vermutung nach leiden die drei Bäume schwer unter der Salzstreuung im Winter (MA 48 im Auftrag der MA 59, nehme ich an). Meine Anregung ist daher, die MA 59 sollte auf der Piazza im Winter auf eine Salzstreuung durch die MA 48 verzichten.

    Mit freundlichen Grüßen
    Robert Poth

Reaktion der MA 59, 11.4.2014

    Sehr geehrter Herr Poth!

    Danke für Ihr Interesse an den Wiener Märkten! Ich werde Ihr Anliegen an die MA 48 weiterleiten.

    mit freundlichen Grüßen
    BISCHOF Manfred
    Magistratsabteilung 59
    Marktverwaltung

Reaktion der MA 48, 19.5.2014

    GZ: MA 48 – BSSR-290761/2014 Wien, 19. Mai 2014 Bue
    Salzstreuung
    16., Piazza Brunnenmarkt

    Sehr geehrter Herr Poth!

    Bezugnehmend auf Ihre E-Mail vom 10.04.2013, möchten wir uns vorerst für die späte Rückmeldung entschuldigen, und dürfen Ihnen Folgendes mitteilen:

    Der Winterdienst erfordert einen tragfähigen Kompromiss zwischen der Sicherheit für FußgängerInnen, FahrradfahrerInnen und AutofahrerInnen einerseits, und dem nachhaltigen Schutz der Umwelt andererseits. Wir sind bemüht einen effizienten Winterdienst unter Einsatz von möglichst geringen Ressourcen, basierend auf Forschungsergebnissen der TU Wien, zu gewährleisten.

    Im Winterdienst der Stadt Wien kommt vorwiegend die Feuchtsalztechnologie zum Einsatz. Hierbei wird das Streugut mit Sole befeuchtet, wodurch ein Streuverlust minimiert und die Tauwirkung maximiert wird. Das schont Boden, Pflanzen und Grundwasser und sorgt – Stichwort Feinstaub – für eine bessere Luftqualität.

    Die von Ihnen genannte Örtlichkeit wird maschinell betreut. Der Bereich in dem die Bäume gepflanzt sind, wird vorwiegend zur Schneeablage verwendet. Dieser wird nach einer kurzen Lagerung abgeführt. Eine negative Auswirkung des Winterdienstes auf die Bäume ist daher nicht gegeben. Gerade im dicht verbauten Stadtgebiet sind Bäume von einer Vielzahl anderer Faktoren betroffen. Wie Ihnen bereits durch die fachlich zuständige Dienststelle bekannt gegeben wurde, sind die genannten Bäume stressbelastet.

    Weiters möchten wir Ihnen mitteilen, dass die FahrerInnen der MA 48 jährlich, vor Beginn der Winterdienstsaison, sowohl in Streumethoden als auch Streutechnologien geschult werden, um die zu Verfügung stehenden Mittel bestmöglich einzusetzen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Leiter Straßenreinigung und Winterdienst:
    Andreas Kutheil, eh.

Womit zweierlei klar war: 1. Niemand ist schuld, wenn Bäume eingehen. 2. Gepflanzt wird auch dort, wo es offenbar sinnlos ist. Mittlerweile haben wir ja anstatt zwei der drei Silberlinden Zürgelbäume. Der dritten Linde wurde eine Gnadenfrist gegeben. Lange wird sie nicht dauern, so meine Prognose Ende Mai 2015.

Marktamtsgebäude / Ottakringer

Nach dem Beginn des vorerst mysteriösen Abbruchs des Marktamtgebäudes am Yppenplatz und mit Zweifeln an der Rechtmäßigkeit des Geschehens wende ich mich am 28. Oktober 2014 an die Baupolizei (MA 37). (Siehe Yppenmarkt: Sinnlose Subvention für Gastronomie und Flagship-Store Brauwerk Wien: Ein Grau- oder Schwarzbau?.)

    Anfang Oktober wurde mit dem Abriss des Marktamtsgebäudes am Yppenplatz 4 begonnen; mittlerweile ist das Gebäude fast zur Gänze abgetragen; die Außenmauern sind noch in einer Höhe von ca. 1 m vorhanden (per 28.10.2014).
    Auf Anfrage bestätigte die Ottakringer Brauerei (Mag. Gabriele Grossberger, Marketingleiterin) am 8. Oktober des Jahres, dass hier das neue Flagship-Store des Brauwerk Wien errichtet wird. Ebenso wurde angegeben, dass derzeit keine Pläne des geplanten Bauwerks veröffentlicht werden und es sich um einen „Umbau“ handelt. Von Bezirksseite gibt es dazu bisher keine näheren Informationen mit Ausnahme einer Auskunft von Herrn Bezirksvorsteher Franz Prokop, wonach hier tatsächlich ein Standort der Ottakringer Brauerei mit einem Schanigarten entsteht.

    Ich hätte in diesem Zusammenhang die folgenden Fragen:

    1. Kann es sich in Anbetracht des faktischen Abrisses des Marktamtsgebäudes um einen „Umbau“ handeln?
    2. Bisher wurden keine Pläne des geplanten Bauwerks veröffentlicht. Wie hoch dürfte dieses Bauwerk nach geltenden Vorschriften werden bzw. gibt es eine diesbezügliche Baubewilligung? Die betreffende Fläche ist derzeit als „Sondergebiet Markt“ gewidmet, der Bebauungsplan erlaubt nur Gebäude mit einer Traufenhöhe von maximal 4,5 m.

    Vielen Dank im Voraus für Ihre Bemühungen in Zusammenhang mit meinem Anliegen

    mit freundlichen Grüßen
    Robert Poth

Reaktionen der MA 37 (29.10.2014 / 14.11.2014)

    Sehr geehrter Herr Poth!

    Die MA 37 hat Ihr Anliegen erhalten.

    Nach Prüfung des Inhaltes haben wir festgestellt, dass für Ihr Anliegen die Gebietsgruppe West (16., Spetterbrücke 4) zuständig ist und haben Ihr Anliegen bereits weitergeleitet.

    Mit freundlichen Grüßen
    Verena Sommer
    Magistrat der Stadt Wien
    Magistratsabteilung 37 – Baupolizei

    Sehr geehrter Herr Poth,

    Ihre Anfrage vom 28.10.2014, die bei der MA 37 – Baupolizei eingelangt ist, wurde an die für das Marktgebiet zuständige Magistratsabteilung 59 – Marktamt weitergeleitet, da h.a. für die betreffende Liegenschaft kein Bauansuchen anhängig ist.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dipl.-Ing. Pell
    Magistratsabteilung 37/GGr West
    Großvolumige Bauvorhaben

Damit hat sich bestätigt, dass das Marktamt das ehemalige Marktamtgebäude als fiktiven „Marktstand“ behandelt, um sich und der Ottakringer Brauerei allfällige Probleme mit Flächenwidmung und Bebauungsplan zu ersparen. Für den Umbau eines Marktstandes benötigt man nämlich keine Baugenehmigung.

Reaktion der MA 59 (Marktamt), 21.11.2014

    Sehr geehrter Herr Poth!

    Die Magistratsabteilung 59 hat Ihr E-Mail vom 28.10.2014 gerichtet an die Magistratsabteilung 37 zur Beantwortung erhalten und kann folgendes mitteilen.

    Zuerst vielen Dank für Ihr Interesse am Geschehen auf dem Brunnenmarkt.

    Der Umbau bzw. die Neuadaptierung des alten Marktamtsgebäudes findet selbstverständlich unter Berücksichtigung aller behördlichen Auflagen statt, wobei wie in Ihrem E-Mail angeführt bei dem adaptierten Baukörper die Bauhöhe auch entsprechend der dort festgelegten Widmung ausgeführt werden wird.

    Wir hoffen mit diesem neuen Angebot die Attraktivität des Brunnenmarktes bzw. des Yppenplatzes weiter zu erhöhen und eine Steigerung der BesucherInnenfrequenz herbei führen zu können.

    Die Magistratsabteilung 59 hofft Ihnen mit dieser Auskunft behilflich gewesen zu sein und verbleibt

    Mit freundlichen Grüßen
    Michael Horak
    Magistratsabteilung 59

Ungefähr so etwas hatte ich erwartet, aber ich hätte gern gewusst, wie das Marktamt seine Pläne verteidigt. Also habe ich mittels Kontaktformular am 11. Dezember 2014 folgende Anfrage direkt an das Marktamt gerichtet:

    Per E-Mail vom 21. 11. 2014, mit Absender Michael Horak, Magistratsabteilung 59, Am Modenapark 1-2, wurde mir u.a. folgende Information übermittelt (Zitat):

    „Der Umbau bzw. die Neuadaptierung des alten Marktamtsgebäudes findet selbstverständlich unter Berücksichtigung aller behördlichen Auflagen statt, wobei wie in Ihrem E-Mail angeführt bei dem adaptierten Baukörper die Bauhöhe auch entsprechend der dort festgelegten Widmung ausgeführt werden wird.“

    Mittlerweile (11. 12. 2014) ist das neue Gebäude im Rohbau fertiggestellt und es ist mit freiem Auge zu erkennen, dass die Traufhöhe des Gebäudes weit mehr beträgt als die vom Bebauungsplan vorgeschriebenen max. 4,5 m (geschätzt mehr als 6 m).

    Die Tatsachen scheinen also der mir von Ihnen übermittelten Information zu widersprechen. Ich wäre Ihnen für eine diesbezügliche Aufklärung dankbar.

    Darüber hinaus heißt es in Ihrer E-Mail, die MA 59 wolle „die Attraktivität des Brunnenmarktes bzw. des Yppenplatzes weiter (…) erhöhen und eine Steigerung der BesucherInnenfrequenz herbeiführen“.

    Dazu möchte ich anmerken, dass es sich bei dem voraussichtlichen zentralen Angebot im „Flagship-Store“ der Ottakringer-Marke Brauwerk Wien um hochpreisige Biersorten handelt, die derzeit um ca. 5,8 Euro pro 0,3 Liter im Gastgewerbe erhältlich sind.

    Persönlich möchte ich dazu anmerken, dass sich die „Attraktivität“ meines Wohnviertels derart ganz und gar nicht erhöht, weil ich mir derart teure Biere nicht leisten kann und will. Analoges trifft auch auf das kulinarische Angebot des bereits auf dem Marktgebiet bestehenden Restaurants „AN-DO Fisch“ zu.

    Beide diese gastronomischen Angebote richten sich offensichtlich an eine gehobene Mittelschicht (vulgo „Bobos“) – etwa dieselbe soziale Schicht, die es sich leisten kann, die immer zahlreicheren im Yppenviertel von privaten Hauseigentümern und Immobilienfirmen errichteten Dachbodenwohnungen in Eigentum zu erwerben.

    Zweifellos ist aus Sicht privater Investoren die genannte soziale Schicht aus rein geschäftlichen Überlegungen eine „natürliche“ Zielgruppe.

    Es ist mir jedoch nicht nachvollziehbar, aus welchen Gründen wie im Fall des „Flagship-Stores“ noch dazu Steuergelder dafür aufgewendet werden, die „Attraktivität“ eines Viertels für diesen Personenkreis zu erhöhen und sie gleichzeitig für weniger betuchte Schichten zu verringern. Ein öffentliches Interesse an solchen Schritten lässt sich nicht erkennen, und sie entsprechen schon gar nicht dem, was von einer sozialdemokratischen Stadtverwaltung erwartet werden könnte.

    Vielen Dank für Ihre Reaktion im Voraus

    Robert Poth

Auf diese Anfrage per Kontaktformular hat die MA 59 nicht mehr reagiert. Entweder es fiel den Verantwortlichen nichts dazu ein oder es ist Gepflogenheit des Marktamts, scheinbar renitente BürgerInnen zu ignorieren …

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