Covid-19-Maßnahmen: Wirksamkeit beschränkt

Die Maßnahmen der Bundesregierung gegen die Covid-19-Epidemie seit Herbst waren nur beschränkt wirksam, wie aus Zahlen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit hervorgeht. Positiv: Die Sterblichkeit in der Altersgruppe 65 plus lag zu Jahresbeginn bereits unter dem Niveau während der Grippewelle 2016/17.


Quelle: orf.at/corona/daten/oesterreich

Die Daten in der Grafik oben sprechen weitgehend für sich. Trotzdem ein paar Anmerkungen: Klar ist, dass der ab 26.12. geltende “Lockdown” die Infektionszahlen praktisch nicht verringert hat. Offensichtlich ist auch, dass die Öffnung des Handels am 6.12. zu keiner Erhöhung der Infektionszahlen geführt hat. Insofern sprach wenig bis nichts dafür, diese “Lockerung” wieder zurückzunehmen.

Zu den Infektionszahlen. Die auf PCR-Tests beruhenden Infektionszahlen sind kein verlässlicher Indikator des Infektionsgeschehens, da asymptomatische Fälle kaum erfasst werden und die Infektiosität der positiv Getesteten unklar bleibt. Zumindest in Österreich scheinen sie aber mit den Sterblichkeitszahlen in Zusammenhang zu stehen (siehe etwa Grafik unten).

Blicken wir weiter zurück, ist zu erkennen, dass die per 3.11. eingeführte Ausgangsbeschränkung offenbar vorerst ohne Wirkung blieb. Die Infektionszahlen folgten exakt dem zuvor bestehenden Aufwärtstrend und erreichten am 11.11. ihren Höhepunkt (der zwischenzeitliche Einbruch der gemeldeten Infektionen kann aufgrund des geringen zeitlichen Abstands nicht auf die Ausgangsbeschränkung zurückzuführen sein). Als am 17.11. ein “Lockdown” verhängt wurde, lag dieser Höhepunkt schon sechs Tage zurück. Ein Effekt dieses Lockdowns war frühestens eine Woche danach zu erwarten. Zu diesem Zeitpunkt, am 24.11., waren die Infektionszahlen aber bereits niedriger als bei Einführung der Ausgangsbeschränkung, und der Abwärtstrend war bereits seit zwei Wochen etabliert.

Dieser Abwärtstrend könnte eine Auswirkung der Ausgangsbeschränkung gewesen sein – insofern wäre diese Maßnahme erfolgreich gewesen. Der Trend setzt sich jedoch unverändert fort; ein Einfluss des Lockdowns ist in der Folge nicht zu bemerken. Dass der Lockdown zur weiteren Verringerung der Infektionszahlen beigetragen hat, ist zwar trotzdem möglich, lässt sich aber anhand der Daten nicht belegen.

Dass die Ausgangsbeschränkung vielleicht oder sogar wahrscheinlich wirksamer war als der folgende Lockdown, entspricht bis zu einem gewissen Grad den Ergebnissen einer Anfang Jänner veröffentlichten Studie, Assessing Mandatory Stay‐at‐Home and Business Closure Effects on the Spread of COVID‐19 von Eran Bendavid, Christopher Oh, Jay Bhattacharya, John P.A. Ioannidis, European Journal of Clinical Investigation, January 5, 2021. Aus dem Abstract (Hervorheb. von mir):

The most restrictive non‐pharmaceutical interventions (NPIs) for controlling the spread of COVID‐19 are mandatory stay‐at‐home and business closures. Given the consequences of these policies, it is important to assess their effects. We evaluate the effects on epidemic case growth of more restrictive NPIs (mrNPIs), above and beyond those of less restrictive NPIs (lrNPIs). (…) While small benefits cannot be excluded, we do not find significant benefits on case growth of more restrictive NPIs. Similar reductions in case growth may be achievable with less restrictive interventions.

Sterblichkeit 65 plus unter dem Niveau der Grippewelle 2016/17. Die Sterblichkeit in der Altersgruppe 65 plus, der am stärksten von Covid-19 gefährdeten Bevölkerungsgruppe, ist mit der Kalenderwoche 53 (28.12. bis 3.1.2021) neuerlich gesunken und lag bereits deutlich unter dem Niveau, das während der Grippewelle 2016/17 zu beobachten war (graue bzw. gelbe Kurve in der nachstehenden Grafik), mit einem Abwärtstrend.

Davor folgten die Sterblichkeitszahlen mehr oder weniger in einem Abstand von ca. drei Wochen den Covid-19-Infektionszahlen, mit einem Höhepunkt in der Kalenderwoche 49. Von einer Verlängerung des seit Weihnachten geltenden letzten Lockdowns ist demnach keine Verringerung der Sterblichkeit zu erwarten, da auch die Infektionszahlen nicht zurückgingen. [Ergänzung 23.1.: Es sei denn, die Infektionszahlen stagnieren bloß, weil mehr Tests durchgeführt werden oder weil sich die Falsch-Positiv-Rate der Tests aufgrund der geringeren tatsächlichen Inzidenz stärker auswirkt. Dann könnte die Sterblichkeit trotz gleichbleibender Infektionszahlen sinken.]

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