Der Fall Julian Assange: Buch von Nils Melzer

Der Schweizer Völkerrechtsexperte Prof. Nils Melzer, seit 2016 Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Folter, hat ein Buch zu Julian Assange veröffentlicht – ein “Akt der Verzweiflung”, wie er es selbst beschreibt.

“Wir müssen aufhören zu glauben. dass es bei Julian Assange wirklich um eine Strafuntersuchung wegen Sexualdelikten, Spionage und Hacking geht. Was WikiLeaks getan hat, bedroht die politischen und wirtschaftlichen Eliten weltweit gleichermaßen. Der Fall Assange zeigt, dass es den Regierungen heute nicht mehr um legitime Vertraulichkeit geht, sondern um die Unterdrückung der Wahrheit zum Schutz von unkontrollierter Macht, Korruption und Straflosigkeit”. (Nils Melzer).

Der Fall Julian Assange – Geschichte einer Verfolgung (Piper)

Einer der größten Justizskandale aller Zeiten
Mit dem „Afghan War Diary“ veröffentlicht WikiLeaks 2010 das größte Leak der US-Militärgeschichte, mitsamt Beweisen für Kriegsverbrechen und Folter. Kurz danach verdächtigt Schweden WikiLeaks-Gründer Julian Assange der Vergewaltigung, und ein geheimes US-Schwurgericht ermittelt wegen Spionage. Als ihn Ecuador nach jahrelangem Botschaftsasyl der britischen Polizei überstellt, verlangen die USA sofort seine Auslieferung und drohen mit 175 Jahren Haft.
Nils Melzer, UNO-Sonderberichterstatter für Folter, will sich zunächst gar nicht auf den Fall einlassen. Erst als er Assange im Gefängnis besucht und die Fakten recherchiert, durchschaut er das Täuschungsmanöver der Staaten und beginnt den Fall als das zu sehen, was er wirklich ist: die Geschichte einer politischen Verfolgung. An Assange soll ein Exempel statuiert werden – zur Abschreckung aller, die die schmutzigen Geheimnisse der Mächtigen ans Licht ziehen wollen.
Dieses packende Buch erzählt erstmals die vollständige Geschichte von Nils Melzers Untersuchung.
 
Update 6.5.21: Eine Buchbesprechung und aktuelle Veranstaltungshinweise gibt es auf den NachDenkSeiten:
Nils Melzers „Der Fall Julian Assange“ und einige naheliegende Veranstaltungen

Barbara Meister und Fred Turnheim vom Österreichischer Journalist*innen Club haben Nils Melzer zu einer Online-Buchvorstellung eingeladen. Auf die Frage, ob die Veröffentlichung des Buches aus Verzweiflung geschehen sei, antwortete Melzer: »Ja, das ist ein Akt der Verzweiflung«. Er habe insgesamt achtmal auf höchster diplomatischer Ebene versucht zu intervenieren, ohne Erfolg. Selbst die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte zeigte an seinen Untersuchungsergebnissen kein Interesse. Quelle: Akt der Verzweiflung (Junge Welt, 22. 4. 2021)

Es gibt ein sehr empfehlenswertes Video von der Online-Buchpräsentation auf Youtube, in dem Nils Melzer den Bogen weit spannt – von den angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak bis zu den unüberprüfbaren Angaben zu Giftgasangriffen u.a. in Syrien.

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