WHO/UNAIDS propagieren drittklassige AIDS-Medizin für arme Länder

Die WHO und UNAIDS veröffentlichten am 1.12.03 eine neue Strategie im Kampf gegen AIDS. Ziel: Bis 2005 sollen drei Millionen AIDS-PatientInnen in armen Ländern mit anti-retroviralen Medikamenten behandelt werden. Die neue Strategie propagiert einfach anwendbare Tests, etwa des Körpergewichts oder des Bluts anhand einer Farbskala (siehe die entsprechende UNAIDS-Presseinformation). Auf teure Tests für sekundäre klinische Marker (Surrogatmarker) wie Ermittlung der Zahl der CD4-Zellen oder der „Viruslast“ soll verzichtet werden, „sofern noch nicht verfügbar“.

Diese Strategie widerspricht jedoch den Standards der etablierten AIDS-Medizin, wonach CD4-Zahlen und Viruslast als „essenzielle“ klinische Marker für die Entscheidung gelten, ob eine anti-retrovirale Behandlung begonnen werden soll oder nicht. Dies vor allem aufgrund der anerkannten „schwerwiegenden Nebenwirkungen“ dieser Medikamente – im Klartext wegen ihrer Toxizität. (Siehe auch die letzten in den USA geltenden Behandlungsrichtlinien: U.S. treatment guidelines für Erwachsene (pdf, 3,7 mB), wo es auf Seite 9 heißt: „Plasma HIV RNA (viral load) may be a consideration in the decision to initiate therapy. In addition, viral load is critical for evaluating response to therapy (AI).“)

Als ob das nicht bereits bedenklich genug wäre, propagiert die WHO/UNAIDS-Strategie außerdem, dem Mangel an ÄrztInnen durch „Community workers“ beizukommen, was als einer der „innovativen Aspekte“ der neuen Strategie gepriesen wird: Nach einer gewissen Schulung würden diese medizinischen Laien PatientInnen „evaluieren und überwachen“, was offenbar auch die Diagnose von AIDS („evaluieren“) und die Verordnung und Abänderung von Behandlungsregimen inkludiert.

Kommt es tatsächlich so weit, wären ansonsten gesunde Menschen in Botswana und in anderen „am stärksten von AIDS betroffenen“ Ländern ungeschützt einer Vergiftung durch anti-retrovirale Medikamente preisgegeben (schwangere Frauen bzw. Mütter sogar gegen ihren Willen), bloß weil sie einen (notorisch unzuverlässigen) positiven HIV-Test erhielten oder von einem freundlichen Nachbarn mit „AIDS“ diagnostiziert wurden.

Das wäre in etwa das selbe wie auf eine permanente Chemotherapie gegen Krebs gesetzt zu werden, weil jemand den Eindruck hat, man sehe so aus, als ob man Krebs haben könnte.

Wenn das nicht unverantwortlich und geradezu verrückt ist, was dann?

Erschreckend ist vor allem, dass es kaum Proteste gegen diese geplante drittklassige „medizinische Behandlung“ in Entwicklungsländern gibt. AIDS scheint dem Neokolonialismus in der Medizin Tür und Tor zu öffnen.