Übersterblichkeit in Österreich: Das Rätsel wird größer

Die Zahl der durch Covid-19 unerklärten “überzähligen” Todesfälle älterer Menschen in Österreich hat sich mit Kalenderwoche 46 deutlich erhöht und dürfte derzeit mehr als 700 in vier Wochen betragen.

Im Beitrag Hohe Übersterblichkeit in zweiter Welle berichtet der ORF am 27. November von einer hohen Übersterblichkeit in Österreich in der Kalenderwoche 46 (9.-15.11.2020). Die überdurchschnittliche Sterblichkeit ist ausschließlich auf erhöhte Sterbefälle in der Altersgruppe 65 plus zurückzuführen, wie der interaktiven Grafik von Statistik Austria zu entnehmen ist. (Sterbefälle nach Alter)

Dass die im selben Bericht genannten Zahlen der Covid-19-Todesfälle in Österreich das Ausmaß der Übersterblichkeit bei älteren Menschen nicht erklären, scheint dem ORF offenbar nicht aufgefallen zu sein (ein weiteres Rätsel, aus meiner Sicht).

Schutzmaßnahmen schädlicher als Covid-19?
Das vermutet die Vorarlberger Armutskonferenz, siehe Falscher Blickwinkel bei Übersterblichkeit (ORF, 1.12.2020).

Das Haupträtsel ist aber die Zahl der durch eine Erkrankung an oder einer Infektion mit Covid-19 nicht erklärten “überzähligen” Todesfälle in der Altersgruppe 65 plus. Insgesamt ergeben sich für die Kalenderwochen 43-46 780 “überzählige” und nicht durch Covid-19 erklärte Todesfälle in dieser Altersgruppe (die Summe der Differenzen in den vier Kalenderwochen). Das wären auf ein Jahr hochgerechnet rund 10.000 “überzählige” Todesfälle ohne direkten Zusammenhang mit der Covid-19-Epidemie.

Das habe ich in der Grafik oben dargestellt, wobei die Zahl der Covid-19-Todesfälle laut Ages aufgrund von Nachmeldungen etwas höher liegen dürfte als hier angezeigt. Die “überzähligen” Sterbefälle laut Statistik Austria (252 – 756) entsprechen der Differenz zwischen den gemeldeten Sterbefällen in der Altersgruppe 65 plus für 2020 und dem Durchschnitt der gemeldeten Sterbefälle in den drei Jahren 2017-2019.

Was die möglichen Ursachen betrifft, bin ich überfragt. Es ist aber nicht auszuschließen, dass zumindest ein Teil auf “Kollateralschäden” der gegen Covid-19 ergriffenen Maßnahmen zurückzuführen ist. Siehe meinen Beitrag vom 15. November: Übersterblichkeit älterer Menschen übersteigt Zahl der Covid-19-Todesfälle.

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