Wie Währungsspekulation funktioniert

[Februar 1998]

Mit Währungsspekulation kann man sich eine goldene Nase verdienen. Das ist spätestens seit 1992 allgemein bekannt: Damals verdiente der US-amerikanische Multimillionär George Soros an der Abwertung des britischen Pfund rund eine Milliarde US-Dollar. Wie funktioniert das?

Im Prinzip kann jeder von einer Abwertung profitieren, der auf den Devisenterminmärkten operiert – Spekulationsabsicht ist nicht Voraussetzung. Auf diesen Märkten können Währungen per Vertrag im voraus gekauft und verkauft werden, wobei solche Termingeschäfte zumindest eine Laufzeit von einem Monat haben. Verkaufe ich etwa Inlandswährung gegen US-Dollar auf Termin, muß ich sie je nachdem erst in einem Monat oder noch später liefern; ich muß sie also bei Vertragsabschluß nicht besitzen. Wird die Währung in der Zwischenzeit abgewertet, kaufe ich sie billiger ein. Die Differenz zwischen meinem “Terminkurs” und dem “Kassakurs” zum Liefertermin ist mein Gewinn.

Dies ist der grundlegende Mechanismus. Spekulative Attacken zielen aber darauf ab, eine Abwertung während der Laufzeit solcher Termingeschäfte zu erzwingen. Das funktioniert im allgemeinen nur mit einer ordentlichen Kriegskassa. Die ist vorhanden: spekulative Investmentfonds (vor allem “Hedge Funds”) und spekulierende Privatpersonen verfügen nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) über rund 100 Milliarden US-Dollar. Verschiedene Finanzinstrumente erlauben es sogar, diesen Einsatz bis auf das Zehnfache zu erhöhen.

Bei einer solchen Attacke werden meist nach dem obigen Schema massive Verkäufe der Inlandswährung gegen US-Dollar auf dem Terminmarkt des betroffenen Landes vorgenommen, um die vorhandenen Devisenreserven zu plündern. Die Zentralbank interveniert auf den Terminmärkten und verkauft US-Dollar, um den Kurs zu halten. Sobald sie die Nachfrage nach US-Dollar zum gegebenen Wechselkurs nicht mehr voll befriedigen kann oder will, kommt es zu einer Abwertung. Dies kann eine generelle Flucht aus der Inlandswährung und eine Abwertungsspirale auslösen, wodurch die Profite der Spekulanten höher werden und sich weitere Spekulationsmöglichkeiten ergeben.

Prädestinierte Opfer sind beispielsweise Länder, denen eine Verknappung der Währungsreserven droht – etwa durch fällige Rückzahlungen von Auslandsschulden, durch ein steigendes Leistungsbilanzdefizit oder durch eine Kapitalflucht nach einem Börsenkrach. Hat die inländische Wirtschaft zusätzlich Finanzierungsprobleme, ist das perfekte Szenario für Spekulanten gegeben. Das war und ist etwa in Südostasien bzw. in Südkorea der Fall. Aber auch starke Währungen können attackiert werden, wie etwa der Hongkong-Dollar im Oktober.

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