Arbeitsproduktivität in Österreich: Weiter schwache Entwicklung

Die Arbeitsproduktivität in Österreich stieg 2018 laut Angaben von Statistik Austria nur um 0,4 Prozent. Die außergewöhnlich schwache Produktivitätsentwicklung seit Beginn des Aufschwungs 2016 hat sich damit fortgesetzt – und harrt weiter einer Erklärung durch die Wirtschaftswissenschaft.

Wie die nachstehenden aktualisierten Grafiken zeigen, hat sich der negative Trend der Entwicklung der Arbeitsproduktivität in Österreich bestätigt bzw. weiter verstärkt; auch die Diskrepanz zwischen BIP-Wachstum und Arbeitsproduktivität in der Aufschwungsperiode 2016-2018 hat zugenommen.

Diese Entwicklung ist umso bedenklicher, als das Wirtschaftswachstum 2018 vor allem von einem starken Plus im produzierenden Bereich (+4,8%) bzw. in der Herstellung von Waren (+5,1%) getrieben war, während der Dienstleistungssektor nur um 1,7% expandierte. (Siehe Österreichs Wirtschaft wuchs 2018 um 2,4% (25.9.2019); BIP-Daten: Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftsbereichen, verkettete Volumenindizes.)

Pest oder Cholera?
Eine der Hauptthesen zur Erklärung der schwachen Entwicklung der Arbeitsproduktivität in den reichen Ländern ist die wachsende Bedeutung des Dienstleistungssektors, der im Vergleich zur Industrie durch ein geringeres Potenzial für eine Zunahme der Arbeitsproduktivität charakterisiert ist. In Einklang mit dieser Hypothese könnte die schwache Gesamtentwicklung der Arbeitsproduktivität daher dadurch erklärt werden, dass zahlreiche Dienstleistungssektoren in Österreich sogar eine negative Entwicklung der Arbeitsproduktivität verzeichneten.

Mangels Daten zum Arbeitsvolumen und zur Wertschöpfung der einzelnen Sektoren/Branchen der österreichischen Wirtschaft (die mir nicht vorliegen) ist das allerdings nur eine Mutmaßung. Ebensogut könnte das schwache Plus bei der Arbeitsproduktivität eine Folge rückläufiger Produktivitätssteigerungen im produzierenden Sektor sein – d.h., nicht eine Folge der Pest, sondern der Cholera. Denn diese Zahlen belegen in jedem Fall eine nicht gerade zukunftsträchtige Entwicklung der österreichischen Wirtschaftsstruktur, sofern es sich nicht um statistische Artefakte handelt.

Dass es dringend geboten wäre, die Ursachen dieser Entwicklungen näher zu bestimmen und allfällige daraus ableitbare wirtschaftspolitische Korrekturmaßnahmen zu ergreifen, liegt auf der Hand. Leider haben diese Wirtschaftsdaten in der österreichischen Öffentlichkeit einen vernachlässigbaren Stellenwert.

Siehe auch meine früheren Beiträge zum Thema:
Arbeitsproduktivität in Österreich: Ein Update
Arbeitsproduktivität und Total Factor Productivity: Weltbank-Analyse
Österreich 2016: Seltsamer Aufschwung
Österreich: Negative Wirtschaftsdaten weitgehend ignoriert

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